vonChristian Ihle 28.06.2022

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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1. Tanz der Vampire

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Normalerweise sind Horror-Komödien ja das Grausigste aller Filmgenres (gut, neben Musicals), aber Roman Polanski war 1967 einfach so früh und so gut am Start, dass er diesem Thema für immer seinen persönlichen Holzpflock ins Herzchen gerammt hat.
„Tanz der Vampire“ ist flott, aber nie doof („Pardon me, but your teeth are in my neck“) und spielt nicht nur erfolgreich mit allen möglichen Referenzen an die Vampirkultur, sondern gelingt es darüber hinaus noch, bei all dem Slapstick auch eine gewisse Spannung zu erzeugen.

2. James Bond 007 – Man lebt nur zweimal

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Für mich ist „You Only Live Twice“ mehr noch als „Goldfinger“ der archetypische James-Bond-Film: exotische Locations (hier Japan und das Weltall), Schurken mit auf 11 gedrehter Megalomanie (die Raketenbasis im alten Vulkankrater, irr!), eine Story, die zum Blueprint für kommende Bonds werden sollte (Drehbuch von Roald Dahl), einer der ganz großen Eröffnungssongs (Nancy Sinatra nach John-Barry-Noten), bester Sixties-Style (Production Design von Kubricks Ken Adam) und natürlich Sean Connery.

Vor zwanzig Jahren hatte ich „You Only Live Twice“ noch mit 9/10 bewertet, aber gewisse Längen, insbesondere in der Japanisierung von James Bond zu Unterwanderungszwecken, sind dann doch nicht zu bestreiten. Alles in allem aber immer noch ein großer Spaß mit allerbesten Schauwerten.
Yolo!

3. Der eiskalte Engel

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Erneut eine stilistische Meisterleistung von Melville. Gnadenlos kühler Thriller, so eiseskalt, dass er beinah seine eigene Spannung erfriert.
Mit etlichen fantastischen Momenten, als Beispiel sei ein Schnitt in einer Szene genannt, der direkt von der Polizeibesprechung in die Verbrecher-Runde geht und dermaßen übergangslos in einer Bewegung von zwei verschiedenen Charakteren ist, dass ich zurückspulen musste, um noch einmal diesen Szenenwechsel zu verstehen. Ebenfalls großartig dann die stille und in Teilen sogar regungslose Verfolgungsjagd gegen Ende.

Bis auf diese Sequenz ist „Le Samourai“ allerdings eher kein Nervenfetzer, sondern mehr eine distanzierte Betrachtung über ein Katz-und-Maus-Spiel, das ihre Faszination aus dem Stil der Bilder und der Konsequenz der Erzählung zieht.

4. Belle de Jour – Schöne des Tages

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Luis Bunuels großes Spätwerk ist für seine Verhältnisse beinah plotorientiert, zumindest verglichen mit den Absurditätshöhen, die er bei „Das Gespenst der Freiheit“ oder „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ in den 70ern erklimmen wird.

„Belle De Jour“ erzählt die Geschichte einer Ehefrau, die aus Verdruß am modernen Leben zur Edelprostituierten wird. Bunuel ist dabei nie ganz auf eine Position festzunageln.

„Belle De Jour“ bleibt dank Bunuels grundsätzlichem Hangs zur Abstraktheit ein Film des kalten Fühlens, der sich nie erklären will.

5. Spur der Steine

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Meistens ist es schwer nachzuvollziehen, warum die DDR-Führung manche Filme ihrem Volk nicht zumuten wollte, zu sehr manifestiert sich hier die Paranoia einer Diktatur als dass die Filme wirklich allzu offenherzig kritisch ihre Punkte vorgetragen hätten.

Bei „Spur der Steine“ dagegen wundert es mich, dass Frank Beyer diesen Film überhaupt zu Ende drehen durfte. Ein subversives Meisterwerk von auch heute noch erstaunlicher Wut, das sich um das Kraftfeld Manfred Krug dreht, der als Individualist, Rüpel, Gauner und hart arbeitender Working-Gang-Leader eine Projektionsfläche für viele Sehnsüchte darstellt.

Nicht jeder Winkelzug und jede Gremiumssitzung ist mir mit meinem westdeutschen Blick verständlich, aber im Grunde ist auch egal, welches Komitee jetzt warum Krugs Vorarbeiter Ballas auf dem Kieker hat, denn er wäre für jede Gesellschaft ein Unruheherd des Unangepasstseins.

Erstaunlich und erfreulich modern ist zudem die zentrale Frauenfigur Kati Klee, die auf dem Bau arbeitet, in einer ungewöhnlichen Dreiecksbeziehung landet und für die Männer ihre Frauen verlassen (oder dann eben letztlich doch nicht).

Starker Film.

Die besten Filme 1967:
* Platz 25 – Platz 11
* Platz 10 – Platz 6

Mehr zu 1967:
* Die besten Alben: #5 – #1
* Die besten Alben: #6 – #10
* Die besten Alben: #11 – #18
* Die besten Songs: #1 – #20
* Die besten Songs: #21 – #50
* Die besten Songs: #51 – #100
* Playlist: Ein Jahr – 1967

Die bisherigen Jahre:
* 1966: Alle alles – beste Filme, beste Alben, beste Songs
* 1965: Alle alles – beste Filme, beste Alben, beste Songs

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