Der Journalist Tomás Eloy Martínez, einer der ganz Großen der argentinischen Literatur, ist tot.
Daniel Alberto Dessein aus Tucumán zitiert den alten Freund und Kollegen in seinem Nachruf. “Das Gespenst des Todes”, so Martínez 2008, “ist da”.
Aber ich versuche, ihm keine Bedeutung zu geben. Vielleicht kommt es, wenn man es am wenigsten erwartet. Ich würde, wie Marguerite Yourcenar einmal gesagt hat, am liebsten mit offenen Augen sterben, erfahren, was auf der anderen Seite ist.
Dem faszinierendsten Phänomen der politischen Kultur Argentiniens, dem Peronismus, näherte er sich in Der General findet keine Ruhe und Santa Evita mit einer gelungenen Mischung aus Journalismus, Geschichtsschreibung und Fiktion an. Meister der ironischen Dekonstruktion hat ihn daher der Kritiker Peter B. Schumann genannt.
Als “spannende Einführung in die jüngere Geschichte Argentiniens und die Geheimnisse der labyrinthischen Stadt Buenos Aires” bietet sich Der Tangosänger an, sein bislang letzter auf deutsch erschienener Roman.
Osvaldo Bayer erinnert daran, dass Martínez´ erste Bücher während der Militärdiktatur (1976-83) verbrannt wurden. “Wie wenige hat uns Tomás Eloy Martínez der Wahrheit nähergebracht”, schreibt Carlos Fuentes.
Nun ist der große Chronist im Alter von 75 Jahren einem Gehirntumor erlegen.
Foto: dpa
René “el Loco” Higuita, 43, Kolumbiens berühmtester Torwart aller Zeiten, lädt heute in Medellín zum Abschiedsspiel. Hier die markantesten Szenen seiner bewegten Karriere:
Wembley 1995:
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WM Italien 1990 - und mehr:
Die Regierung hatte vorgesorgt, dass die Feierlichkeiten zur zweiten Amtseinführung von Evo Morales ein Volksfest werden würde: Zwei Tage vor dem Staatsakt wurde der 22. Januar als „Geburtstag des plurinationalen Staats“ per Dekret zum nationalen Feiertag erklärt, und allen Arbeitern und Angestellten wurde freigestellt, am 21. Januar zum Festakt nach Tihuanaco zu fahren, wo Evo Morales nach Tradition der Aymara zum Apu Mallku, dem „geistlichen Oberhaupt“ des sekulären Bolivien gekürt wurde.

Gestern legte Morales, der im Dezember mit 64 Prozent wiedergewählt worden war, in einer zweistündigen Rede vor dem Parlament Rechenschaft über seine erste Amtszeit ab. Dabei stellte er die Erfolge seiner Regierung heraus, die er als „das beste Kabinett aller Zeiten“ bezeichnete: die Demokratisierung des Landes, die Integration der ländlichen Bevölkerung und Indígenas in politische Entscheidungsprozesse, den Ausbau des Gesundheitssystems, vor allem in ländlichen Gebieten, die Konsolidierung der Staatsfinanzen durch Verstaatlichung wichtiger Wirtschaftszweige wie der Öl- und Gasindustrie. Aber er benannte auch auf Probleme, mit der seine Regierung zu kämpfen hatte, insbesondere die Korruption, die er als Relikt der kolonialistischen Herrschaft bezeichnete. Es sei ihm nicht gelungen, den alten Grundsatz der Inkas „Ama Sua“ - “Du sollst nicht stehlen” – zu verwirklichen.
In einer beeindruckenden Rede legte Vizepräsident Alvaro García Linera die Grundsätze des neuen, „integralen“ Staats dar, den die Regierung von Evo Morales zu konstruieren sucht. Insbesondere hob er die Integration zwischen den Völkern Boliviens, sowie zwischen Mestizen und Indígenas hervor. 180 Jahre lang sei Bolivien nur ein „virtueller“ Staat gewesen, in dem die Interessen der indigenen Mehrheit nicht vertreten gewesen seien. Als weiteren Grundsatz benannte García Linera die Umverteilung des Reichtums Boliviens, der öffentlichen Güter. Es sei Ziel der Regierung, dass alle Bürger ein „gutes Leben“ haben sollen. „Unsere Idee eines modernen Staats, die wir unter der Führung des Volkes entwickeln, unterscheidet sich sehr von der kapitalistischen Modernität, und wir müssen sie benennen. Der Horizont unseres Staates ist ein sozialistischer Horizont“.
Die Herausforderungen auf dem Weg zu diesen Zielen sind enorm. Bolivien ist nach jahrzehntelanger Klientelwirtschaft eines der ärmsten Länder Lateinamerikas. Zwei Beispiele von vielen: In Bezug auf die Umverteilung wird die Regierung zeigen müssen, dass die Staatseinnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft in den Ausbau von Infrastruktur fließen, die den Menschen langfristig ein „gutes Leben“ ermöglichen. Viele Bolivianer haben auch nach den ersten fünf Jahren unter Evo Morales keinen Zugang zur sauberem Trinkwasser. Was die Integration angeht, wird ein wichtiges Thema in den nächsten fünf Jahren der Zugang zu Bildung sein, besonders für die Bevölkerung im ländlichen Raum: der Qualitätsunterschied zwischen den Schulen in der Stadt und auf dem Land ist nach wie vor riesengroß. Auch hier sind millionenschwere Investitionen nötig, sowohl in die Infrastruktur, als auch zur Erhöhung der äußerst bescheidenen Lehrergehälter.
Die beindruckenden Wahlergebnisse vom Dezember 2009 zeigen, dass die große Mehrheit der BolivianerInnen Evo Morales vertraut, in zentralen Politikbereichen wie den genannten messbare Fortschritte zu erzielen, und so den hoch gesteckten Zielen der Regierung näher zu kommen.
In diesem Sinne: Viel Erfolg, Evo!
Alle Fotos: Agencia Boliviana de Información
Aus Tiwanaku im bolivianischen Andenhochland schickt uns Florian Kopp Bilder von der - nach 2006 - zweiten “indigenen” Amtseinführung von Evo Morales.
Natanson listet auf, was der Verlierer, die Concertación, in den vergangenen 20 jahren ihrer Regierungen geleistet hat - und die Bilanz fällt trotz und alledem positiv aus: Die Regierungen Aylwin, Frei, Lagos und Bachelet haben nicht bloß für anhaltendes Wachstum gesorgt, die Inflation klein gehalten und jede Menge Handelsabkommen abgeschlossen, sie haben auch die Armut signifikant verringern können. Die extreme Armut liegt heute knapp über drei Prozent (was kein anderes Land in der Region schafft), und, wie Natanson zu Recht feststellt, es gibt zwei Jahrzehnte nach Pinochet praktisch keine Elendsviertel mehr in Chile.

Auch auf den meisten anderen Gebieten fällt die Bilanz zugunsten der Concertación aus - wenn man ihr zugute hält, dass viele Großreformen, etwa das Wahlrecht, am Widerstand der rechten Opposition scheiterten. Warum dann also die Abwahl? Natanson sieht den Grund in der überproportionalen sozialen Ungleichheit: “Ohne jeden Zweifel ist der Kern des chilenischen Problems, die Erklärung für den Wahlsieg Piñeras und den Beginn einer neuen Ära, ein wirtschaftlicher und sozialer. Die anhaltende Ungleichheit in Chile ist nicht das Ergebnis einer Entgleisung des Wirtschaftsmodells, die mittels spezifischer Politiken korrigierbar wäre, sie ist wesentlicher Bestandteil des ökonomischen Entwurfs, den die Concertación nie verändern wollte oder konnte.”
Möglicherweise muss man dieses Fazit so lesen: Nicht etwa erwarten Piñeras Wähler vom neuen Präsidenten, dass er dieser Ungleichheit ein Ende bereitet - warum auch. Vielmehr war das Todesurteil der Concertación ihre schleichende Entzauberung, die anhaltende Enttäuschung einer beachtlichen Anzahl von Wählern, die am Ende ein “voto nulo” abgaben, ihrer Wahlpflicht nicht nachkamen (z. B. kann sich entschuldigen, wer mehr als 200 Kilometer vom Wahlort entfernt wohnt - ein in Chile häufiger Fall) oder sich, im Fall der Jungen, schlichtweg gar nicht ins Wahlregister eintrugen.
Kuba hat den USA das Überfliegen des kubanischen Luftraums gewährt, damit schneller und effektiver Hilfe nach Haiti gebracht werden kann. Eine humanitäre Geste Havannas, denn das Verhältnis zwischen Havanna und Washington ist alles andere als entspannt. …>
Präsidentenamt der Republik, Herrn Rafael Correa, Präsident: rafael.correa@presidencia.gov.ec
Kopie an:
Verfassungsgericht, Herrn Patricio Pazmino, Präsident: ppazmino@cce.gov.ec
Nationalversammlung, Herrn Fernando Cordero, Präsident der Parlamentarischen Versammlung: fernando.cordero@asambleanacional.gov.ec
Nationalversammlung, Ausschuss für biologische Vielfalt und natürliche Ressourcen: comision6@asambleanacional.gov.ec
15. Januar 2010
Sehr geehrter Herr Präsident Correa,
ich begrüße die Initiative der ecuadorianischen Regierung zur Nichtförderung der Erdölvorkommen im Yasuni-ITT-Gebiet sehr. Mit diesem weltweit einzigartigen Schritt hat Ihr Land international ein Hoffnungszeichen auf ein Umdenken im Umgang mit der Natur und den Ressourcen gesetzt.
Um so bestürzter bin ich nun zu hören, dass Sie öffentlich gedroht haben, die Yasuni-ITT-Initiative scheitern zu lassen und im Juni mit der Ausbeutung des Schweröls im Regenwald beginnen zu wollen. Das wäre meiner Meinung nach ein schwerer Fehler, und Sie würden damit eine einmalige Chance zerstören. Zahlreiche Regierungen und Organisationen haben bereits ihre Unterstützung für die Initiative zugesagt.
Im Januar sollte noch ein UN-Treuhandfonds für das Projekt unterschrieben werden. Der Treuhandfonds wird benötigt, um unter anderem folgende Ziele zu erreichen:
1. die Garantie, dass Finanzmittel nach umweltpolitischen Grundsätzen eingesetzt werden.
2. die Sicherung, dass künftige Regierungen nicht das Schweröl ausbeuten.
3. die Finanzierung der Initiative außerhalb des Kohlenstoffmarktes (Carbon Trade).
Weiterhin möchte ich darauf hinweisen, dass die Menschen und Gemeinschaften im Amazonasgebiet die weitere Ölförderung abgelehnt haben. Die Ölförderung im Regenwald und auf dem angestammten Gebiet der Ureinwohner würde zudem 20 Artikel der Verfassung der Republik verletzen, die unter Ihrer Regierung ausgearbeitet wurde, darunter:
Artikel 407, der die Ölförderung in geschützten Gebieten verbietet.
Artikel 57, der die Völker in freiwilliger Isolation schützt.
Artikel 414, der die Durchführung von Schutzmaßnahmen gegen den Klimawandel fordert.
Ich bitte Sie deshalb, Ihre Haltung zu überdenken. Yasuni soll leben, es ist ein Paradies aller Menschen! Es steht in Ihrer Verantwortung, dass die Initiative nicht an mangelndem politischen Willen Ihrer Regierung scheitert. Sie würden damit auch schweren Schaden am Ansehen und der Glaubwürdigkeit Ihres Landes anrichten.
Mit freundlichen Grüßen
Zur Protestaktion von “Rettet den Regenwald”
Die apokalyptischen Bilder aus Haiti verdecken eines: Der westliche Teil der Insel Hispaniola war nicht immer ein “Katastrophenland”.
Der weiße Fluch
von Eduardo Galeano
Am ersten Tag diesen Jahres wurde die Freiheit 200 Jahre alt. Keiner hat es bemerkt, oder beinahe keiner. Einige Tage später bekam Haiti, das Geburtstagskind, ein wenig Platz in den Medien. Nicht aufgrund des Jahrestages der universellen Freiheit, sondern wegen eines Blutbads, das schließlich zum Sturz des Präsidenten Aristide führte.
Haiti war das erste Land, in dem die Sklaverei abgeschafft wurde. Allerdings schreiben die bekanntesten Enzyklopädien und die meisten Lehrtexte England diese historische Ehre zu. Es stimmt, dass das Weltreich, das zuvor Weltmeister im Sklavenhandel war, eines Tages die Meinung änderte; doch die Abschaffung durch die Briten geschah 1807, drei Jahre nach der Haitianischen Revolution, und sie war so wenig überzeugend, dass England 1832 die Sklaverei noch einmal verbieten musste.
Die Negierung Haitis ist nichts Neues. Seit zwei Jahrhunderten leidet die Insel unter Verachtung und Bestrafung. Thomas Jefferson, Freiheitskämpfer und Sklavenhalter, warnte, aus Haiti komme ein schlechtes Beispiel, und er sagte, man müsse „die Pest auf diese Insel beschränken“. Sein Land hat auf ihn gehört. Die USA brauchten 60 Jahre, um die freieste aller Nationen diplomatisch anzuerkennen. Unterdessen nannte man in Brasilien Unordnung und Gewalt „Haitianismus“. Die Eigentümer der schwarzen Arme wurden dort bis 1888 vom „Haitianismus“ verschont. Erst in jenem Jahr schaffte Brasilien die Sklaverei ab. Es war das letzte Land auf der Welt.
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Haiti ist wieder ein unsichtbares Land geworden, bis zum nächsten Blutbad. Während es zu Beginn dieses Jahres auf den Bildschirmen und auf den Seiten der Zeitungen war, berichteten die Medien nur von Durcheinander und Gewalt und bestätigten, dass die Haitianer geboren seien, um das Schlechte gut und das Gute schlecht zu tun.
Seit der Revolution konnte uns Haiti nur Tragödien bieten. Es war eine wohlhabende, glückliche Kolonie, und jetzt ist es die ärmste Nation der westlichen Hemisphäre. Revolutionen, so schlossen einige Spezialisten daraus, führen in den Abgrund. Einige sagten, und wieder andere deuteten an, dass die haitianische Neigung zum Brudermord ein Erbe des wilden Afrika sei. Ein Gebot der Vorfahren. Der schwarze Fluch, der zu Verbrechen und Chaos treibt. Vom weißen Fluch sprach niemand.
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Die Französische Revolution hatte die Sklaverei abgeschafft, doch Napoleon führte sie wieder ein:
„Was war die günstigste Regierungsform für die Kolonien?“
„Die vorherige.“
„Also, stellen wir sie wieder her.“
Und um die Sklaverei wieder in Haiti einzupflanzen, schickte er über 50 Schiffe voller Soldaten.
Die aufständischen Schwarzen besiegten Frankreich und erkämpften die nationale Unabhängigkeit sowie die Befreiung der Sklaven. 1804 erbten sie ein Land, das durch die zerstörerischen Zuckerrohrplantagen ausgelaugt und von einem wilden Krieg verwüstet war.
Und sie erbten die „französischen Schulden“. Frankreich ließ sich die Demütigung Napoleon Bonapartes teuer bezahlen. Kaum geboren, musste sich Haiti zur Zahlung riesiger Entschädigungssummen verpflichten - für die Schäden, die es bei seiner Befreiung angerichtet hatte. Die Sühne für die Sünde der Freiheit kostete es 150 Millionen Gold-Francs. Das neue Land kam bereits erdrosselt zur Welt, mit einem Strick um den Hals: einer Schuld, die heute 21,7 Milliarden Dollar wert wäre oder 44 Jahreshaushalte des heutigen Haiti.
Es brauchte weit mehr als ein Jahrhundert, um die Schulden zurückzuzahlen, die durch Wucherzinsen vervielfacht wurden. 1938 wurde endlich die Erlösung gefeiert. Aber da gehörte Haiti bereits den US-Banken.
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Als Gegenleistung zu diesem Aderlass erkannte Frankreich die neue Nation offiziell an. Kein anderes Land tat das. Haiti war geboren und zur Einsamkeit verdammt.
Auch Simón Bolívar erkannte es nicht an, obwohl er ihm alles verdankte. Schiffe, Waffen und Soldaten hatte ihm Haiti 1816 gegeben, als Bolívar besiegt auf der Insel ankam und um Schutz und Hilfe bat. Alles gab ihm Haiti, unter der einzigen Bedingung, die Sklaven zu befreien, eine Idee, die ihm damals noch nicht gekommen war. Anschließend triumphierte der Freiheitskämpfer in seinem Unabhängigkeitskrieg und drückte seine Dankbarkeit aus, indem er ein Schwert als Geschenk nach Port-au-Prince schickte. Von Anerkennung kein Wort.
In den spanischen Kolonien, die mittlerweile unabhängige Länder geworden waren, gab es weiterhin Sklaven, auch wenn einige zusätzlich Gesetze hatten, die das verboten. Bolívar verabschiedete seines 1821, doch die Realität nahm es nicht zur Kenntnis. Dreißig Jahre später, 1851, schuf Kolumbien die Sklaverei ab, Venezuela 1854.
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1915 landeten die Marines in Haiti. Sie blieben 19 Jahre lang. Zu allererst besetzten sie die Zoll- und die Steuerbüros. Die Besatzungsarmee hielt das Gehalt des haitianischen Präsidenten so lange zurück, bis der einwilligte, die Liquidierung der Nationalbank zu unterschreiben, die sich in eine Filiale der Citibank von New York verwandelte. Der Präsident und alle anderen Schwarzen durften die Hotels, Restaurants und exklusiven Klubs, die der fremden Macht vorbehalten waren, nicht betreten. Die Besetzer wagten es nicht, die Sklaverei wieder einzuführen, aber sie setzten die Zwangsarbeit im öffentlichen Bauwesen durch. Und sie töteten viel. Es war nicht leicht, das Feuer des Widerstands zu löschen. Der Anführer der Guerilleros, Charlemagne Péralte, wurde auf eine Tür genagelt und zur Abschreckung in aller Öffentlichkeit vorgezeigt.
Die zivilisatorische Mission war 1934 abgeschlossen. Die Besetzer zogen ab und hinterließen an ihrer Stelle eine von ihnen fabrizierte Nationalgarde, um jeden möglichen Funken von Demokratie auszulöschen. Dasselbe taten sie in Nicaragua und in der Dominikanischen Republik. Einige Zeit später wurde Duvalier zum Pendant von Somoza und Trujillo.
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Von Diktatur zu Diktatur, von Versprechen zu Verrat, gingen die Missgeschicke und die Jahre vorüber.
Aristide, der rebellische Priester, wurde 1991 Präsident. Er hielt sich nur wenige Monate. Die Regierung der USA half mit, ihn zu stürzen, sie nahm ihn mit, unterzog ihn einer Spezialbehandlung und setzte ihn danach wieder als Präsidenten ein, unter dem Schutz der Marines. Und erneut half sie bei seinem Sturz mit, jetzt, im Jahr 2004, und erneut kam es zu Mord und Totschlag. Und wieder kamen die Marines zurück, sie kommen immer wieder, wie die Grippe.
Doch die internationalen Experten sind viel verheerender als die Invasionstruppen. Als Land, das der Weltbank und dem Internationalem Währungsfonds unterworden ist, hatte Haiti ihre Instruktionen befolgt. Sie vergalten es dem Land, indem sie ihm Brot und Salz verweigerten. Sie froren die Kredite ein, obwohl der Staat aufgelöst und die Zollbarrieren und Subventionen, welche die nationale Produktion schützten, bereits aufgehoben waren. Die Reisbauern, die in der Mehrheit waren, verwandelten sich in Bettler oder Bootsflüchtlinge. Viele landen in den Tiefen der Karibik, doch diese Schiffsbrüchigen sind keine Kubaner und tauchen nur selten in den Medien auf.
Jetzt importiert Haiti seinen ganzen Reis aus den USA, wo die internationalen Experten, die ziemlich zerstreute Leute sind, vergessen haben, Zollbarrieren und Subventionen zum Schutz der nationalen Produktion zu verbieten.
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An der Grenze, wo die Dominikanische Republik aufhört und Haiti anfängt, steht ein großes Schild mit einer Warnung: Der böse Übergang.
Auf der anderen Seite ist die schwarze Hölle. Blut und Hunger, Misere, Seuchen.
In dieser so gefürchteten Hölle sind alle Bildhauer. Die Haitianer haben die Gewohnheit, auf Müllhalden Konservendosen und Alteisen einzusammeln. Mit althergebrachter Meisterschaft schneiden und hämmern sie und schaffen wunderbare Dinge, die auf den Volksmärkten feilgeboten werden.
Haiti ist ein Land, das auf die Müllhalde geworfen wurde, als ewige Strafe für seine Würde. Da liegt es, als wäre es Schrott. Es wartet auf die Hände seiner Menschen.
Aus: Lateinamerika: Neoliberale Globalisierung – Vergangenheit in der Gegenwart (2004), Original hier, Foto:dpa.
Aus Haiti berichtet die Diakonie Katastrophenhilfe.
Lesenswert auch die Guardian-Kolumne Our role in Haiti´s plight.
Höher geht´s nimmer: Le Monde und El País ernannten ihn im Dezember zum Mann des Jahres 2009, die Financial Times immerhin zur elfwichtigsten Persönlichkeit der Nullerjahre: Sieben Jahre nach seinem umjubelten Amtsantritt wird Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva umschwärmt wie noch nie.
Lula mit Wunschnachfolgerin Dilma Rousseff
Auch in seiner Heimat ist Lula - der Name ist eine Koseform von Luiz und hat anderslautenden Gerüchten zum Trotz nichts mit mit dem gleichnamigen Tintenfisch zu tun - populärer denn je: Für die BrasilianerInnen ist er Vertrauenswürdigste im ganzen Land, will das Umfrageinstitut Datafolha anhand einer Liste von 22 Männern und fünf Frauen herausgefunden haben, die zudem fast alle weiß sind.
Auf den vorderen Rängen folgen Nachrichtensprecher William Bonner, der einmal verriet, als idealen Gesamtzuschauer stelle er sich einen brasilianischen Homer Simpson vor, dann der katholische Charismatiker Marcelo Rossi und Schnulzenkönig Roberto Carlos.
Fußballnationalcoach Dunga schaffte es auf Platz 8, Altstar Ronaldo auf Platz 13. Niemand aus dem Kreis der möglichen PräsidentschaftskandidatInnen für 2010 kann Lula auch nur annähernd das Wasser reichen: Wunschnachfolgerin Dilma Rousseff und die grüne Hoffnung Marina Silva landen im unteren Mittelfeld, doch da sie immer noch vergleichsweise unbekannt sind, dürften sie im Lauf des Wahlkampfs ihre Werte verbessern.
Bemerkenswert auch das Schlussfeld: Bis auf den Sektengründer Edir Macedo handelt es sich allesamt um Expräsidenten. Auf Rang 23 findet sich Lulas direkter Vorgänger Fernando Henrique Cardoso. Drittletzter ist Luals wichtiger Verbündeter, der skandalwumwitterte Senatspräsident José Sarney. Die rote Laterne trägt verdientermaßen Fernando Collor, der Lula 1989 besiegte, Ende 1992 mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt wurde, aber mittlerweile ebenfalls wieder Senator ist.
Die komplette Galerie der ausgewählten Medien- und Politcracks lässt sich hier bewundern.