17.05.2013 von Peter Strack
“Vier stehen wir vor deiner Tuer, und wir vier lieben dich…“ – mit dem Singen dieses Kaluyos schaffte es Gonzalo Hermosa, der Gruender der wohl beruehmtesten bolivianischen Folklore-Gruppe Kjarkas, im tropischen Yapacani auf dem Weg von Santa Cruz nach Cochabamba von den protestierenden Lehrergewerkschaftern durch die Strassenblockade gelassen zu werden.
Schon lange sind es mehr als vier, die auf den Strassen oder vor dem Portal des Praesidentenpalastes stehen und gegen das Rentengesetz protestieren. Es begann mit den Minenarbeitern an der Spitze des Gewerkschaftsdachverbandes. Ein Teil von ihnen hat in den letzten Jahren, auch Dank der neuen Lohnpolitik ,wesentlich mehr verdient als in den vielen Jahren davor. Im staatlichen Bergwerksbetrieb von Huanuni bekamen 70% der Arbeiter in den ersten Monaten des Jahres aufgrund von Sonderschichten und Ueberstunden umgerechnet zwischen 650 und 1100 Euro im Monat, 6% sogar ueber 1500 Euro. Doch das Rentengesetz, eine Art Ergaenzungsfonds zu den selbst angesparten… weiter lesen
22.03.2013 von Gerhard Dilger
Gestern abend hat die schwarz-gelbe Koalition im Bundestag das skandalöse Freihandelsabkommen mit Kolumbien und Peru durchgewunken. Auszüge aus der Debatte (komplett hier, S. 28937ff.):
Heike Hänsel (DIE LINKE):
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Fakt ist: Wir stimmen heute Abend über ein Freihandelsabkommen mit Peru und Kolumbien ab, womit sich die Europäische Union einen verbesserten Zugang zu den Absatzmärkten, zu den Rohstoffen und zu billigen Arbeitskräften in Lateinamerika sichern will.
Sie sprechen hier, Herr Fritz, von Kolumbien und Peru. Sie haben die Frage nicht beantwortet: Für wen machen Sie denn Politik? Sie machen hier Politik für die Reichen und Vermögenden, für eine kleine Elite in Kolumbien und Peru –
(Zurufe von der CDU/CSU: Quatsch!)
genauso wie Sie es in Europa machen. Deswegen lehnen wir diese Politik ab.
(Beifall bei der LINKEN)
Es sind vielleicht 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung, die von… weiter lesen
10.03.2013 von Gerhard Dilger
Slavoj Žižek, kluger Polemiker und Pop-Philosoph, war an diesem Wochenende in São Paulo. Natürlich ging es in seinem Vortrag vor Tausend meist jungen ZuhörerInnen auch um Hugo Chávez. Žižek erinnerte daran, dass Chávez an einem 5. März starb, „wie Stalin, worauf manche gleich hingewiesen haben“. Viel passender sei es jedoch, die Verbindung zum Geburtstag Rosa Luxemburgs (1871) herzustellen, denn „Chávez war einer von uns“.
„Unverzeihbar“ sei Chávez’ Freundschaft zu Ahmadimedschad oder Lukaschenko gewesen, meinte Žižek. Überhaupt hätten ihm viele Maßnahmen des venezolanischen Präsidenten missfallen, von der oft improvisierten Wirtschaftschaftspolitik bis hin zum Umgang mit politischen Gefangenen, wofür ihn auch Noam Chomsky gerügt habe.
Aber im Vergleich zu seinem politischen Projekt angesichts „einer neuen, globalen Apartheid“ sei all dies bedeutungslos, sagte Žižek: „Das explosive Wachstum der Elendsviertel … ist vielleicht das bedeutendste geopolitische Ereignis unserer Zeit“, und die Armen seien natürlich das bevorzugte Objekt liberaler Wohltäter von Bill Gates bis Starbucks.… weiter lesen
23.01.2013 von Peter Strack

Evo Morales: Rede zum Jahrestag der Staatsneugruendung Quelle: ABI
Wer an einem 22. Januar inmitten der Regenzeit eine neue Verfassung in Kraft setzt, der laeuft Gefahr, dass die Jubilaeumsfeierlichkeiten verregnen. So war es auch zu Beginn des 4. Jahres des “Plurinationalen Staates Bolivien”. Wer den Feiertag nicht nutzte, um sich zu Hause zu erholen und wie viele Strassenhaendler zur Arbeit auszog, der musste sich oder seine Waren vor heftigen Wasserfaellen schuetzen. Die Euphorie der ersten Jahre verflogen, Stimmung und Erwartungen gedaempft, selbst bei der Regierung … weiter lesen
11.12.2012 von Knut Henkel
Die ersten Auswirkungen des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und Kolumbien sind auf der Hochebene von Bogotá schon zu spüren. Die Preise für Frischmilch sinken, weil sich die Molkereien auf EU-Milchpulver aus Lagerbeständen einstellen. Ein Dilemma für Kleinbauern.
„Manchmal geht es deutlich zu schnell. Den kolumbianischen Produzenten bleibt kaum Zeit, um sich auf den veränderten Wettbewerb einzustellen“, erklärt Daniel Fernández. Der Vorsitzender von Siemens in der Andenregion hat bei seiner Analyse zwar weniger das EU-Freihandelsabkommen mit Kolumbien im Sinn, sondern eher jenes mit Korea, aber das Abkommen mit Brüssel wirft seinen Schatten bereits voraus.
„Unsere Bauern haben von dem Abkommen nichts Gutes zu erwarten“, erklärt Tarcisio Mora vom Gewerkschaftsdachverband CUT. Dessen Experten haben schon frühzeitig begonnen, die Auswirkungen des Abkommens zu anylisieren und haben auch darauf gedrängt längere Übergangsfristen sowie Paragraphen für den Schutz von Arbeits- wie Menschenrechten einzuführen. Mit begrenztem Erfolg.
„Freihandelsabkommen erleichtern schließlich nicht per se den Handel,… weiter lesen
06.11.2012 von Knut Henkel
Der Hurrikan Sandy hat die schlimmsten Erwartungen in Santiago de Cuba übertroffen. Die ehemalige Hauptstadt Kubas wurde vom Tropensturm voll erwischt. Die Schäden sind verheerend – auch, weil lange kaum in die Bausubstanz investiert wurde.
Die Bilanz zwei Wochen nachdem Sandy bei Santiago de Cuba auf Land traf, könnte kaum verheerender sein. Eine Millionen Menschen sind betroffen, darunter die rund 600.000 Santiagueros, 200.000 Häuser sind beschädigt oder zerstört, und die Versorgungslage ist kritisch. So kritisch, dass die Regierung in Havanna beim Welternährungsprogramm um Hilfe nachgesucht hat. Das will nun 500.000 Menschen im Osten der Insel mit Nahrungsmitteln unterstützen, um die Not in der wirtschaftlich gebeutelten Region zu lindern.
Der Osten Kubas hat in den letzten Jahren immer wieder Rückschläge erlitten. Mehrere Jahre hatten die Bauern mit Dürren zu kämpfen, wovon die Bauern zwischen Holguín und Guantánamo betroffen waren, und die gesamte Region hinkt wirtschaftlich ohnehin Regionen wie Cienfuegos oder Havanna, die Hauptstadt, hinterher. “Hier ist die produktive Infrastruktur in den letzten Jahren zurückgegangen. Wir müssen selbst einfachstes Gerät wie Gummistiefel, Macheten und Hacken aus dem Ausland importieren, weil die regionale Produktion nicht funktioniert”. erklärt eine Entwicklungshelferin, die im Ostend der Insel arbeitet. Parallel dazu fehlte es es in den letzten Jahren immer wieder an Baumaterialien, und in den Erhalt der Substanz wurde kaum oder gar nicht investiert.
Zudem ist Abwanderung im Osten der Insel seit Jahren ein Problem. Die Landwirtschaft in der Region, die früher für die Kaffee- und Kakaoproduktion bekannt war, hat einen schwierigen Stand. Erst vor drei Jahren sorgte die verheerende Kaffeeernte dafür, dass Kuba auf dem Weltmarkt für 50 Millionen US-Dollar Kaffee für die Versorgung der Bevölkerung einkaufen musste.
Und dann Sandy. Der Hurrikan hat die Region voll erwischt. Bisher ist es den Technikern noch nicht wieder gelungen, die Stromversorgung flächendeckend wieder herzustellen. Mindestens einhunderttausned Hektar Ackerland soll verwüstet worden sein, wodurch in den nächsten Monaten die Versorgungslage für die ganze Insel schwieriger werden dürfte. Zusätzliche Importe von Nahrungsmitteln könnten notwendig werden, denn die Nothilfe vom Welternährungsprogramm läuft in der Regel nur ein paar Wochen. Was danach passiert, ist unklar. Für die Region hat sich Sandy als der schlimmste Hurrikan seit mehr als einem halben Jahrhundert entpuppt. Hilfe benötigt nicht nur Kuba, sondern auch das bettelarme Haiti.
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16.10.2012 von Gerhard Dilger
Gerónimo Arévalos, Kleinbauer aus Paraguay und Protagonist des hervorragenden Dokumentarfilms Raising Resistance, kommt heute abend im Rahmen seiner Deutschlandrundreise nach Berlin.
Im Mehringhof wird er schildern, was sich für ihn und seine Kampfgefährten nach dem Parlamentsputsch vom Juni verändert hat – der große Gewinner der blitzartig inszenierten Ablösung von Fernando Lugo war und ist ja gerade das Agrobusiness, wie auch die deutschen Abgeordneten Thilo Hoppe (Grüne) und Jürgen Klute (LINKE) vor Ort feststellten.
Zu allem Überfluss hat sich Paraguays Linke im Vorfeld der Wahlen vom April 2013 auch noch zerstritten – der populäre Radiojournalist Mario Ferreiro, auf den vor dem Putsch alles zuzulaufen schien, hat letzte Woche seine Präsidentschaftskandidatur gegen den Willen Lugos und dessen Anhängern erklärt. Neun der 19 Parteien und Gruppierungen des Mitte-Links-Bündnisses Frente Guasú stehen nun… weiter lesen
02.07.2012 von Gerhard Dilger
Von Jürgen Vogt, Buenos Aires
Es sind zielgerichtete und maßvolle Entscheidungen: Die Mitgliedschaft Paraguays in der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercsour und der Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) wird vorübergehend ausgesetzt, doch Wirtschaftssanktionen werden nicht verhängt. Darauf einigten sich die Präsidenten der Mercosur-Mitgliedstaaten, Cristina Fernández de Kirchner aus Argentinien, Dilma Rousseff aus Brasilien und José “Pepe” Mujica aus Uruguay, bei ihrem Gipfeltreffen am Freitag in der argentinischen Stadt Mendoza.

Sieht nicht sehr glücklich aus: “Pepe” Mujica (2. v. r.) beim Arbeitsfrühstück mit Dilma und CFK (Foto: Präsidentschaft Brasilien)
“Wirtschaftssanktionen bezahlen immer die Völker, niemals die Regierungen”, begründete Kirchner das differenzierte Vorgehen. “Unser Ziel ist es, eine bessere Lebensqualität der Menschen in diesem Land zu erreichen”, sagte die Gastgeberin. Paraguay kann auch weiterhin die finanziellen Mittel aus dem Strukturanpassungsfonds Focem abrufen. Aus dem Fonds werden in erster Linie Infrastrukturmaßnahmen wie der Ausbau von… weiter lesen
28.06.2012 von Gerhard Dilger
Weil in den Industrieländern immer mehr Fleisch konsumiert wird, müssen Kleinbauern in Paraguay noch härter um ihr Land kämpfen. Die Pflanzen des Futtermittels Soja bedecken bereits drei Viertel der landwirtschaftlichen Fläche, Tendenz steigend.
Auf den ersten Blick wirkt alles friedlich. Beiderseits einer gut geteerten Schnellstraße erstrecken sich Dutzende Bretterbuden, einige sind mit einer rot-weiß-blauen Nationalfahne geschmückt. Dahinter ein Schulgebäude mit drei engen Klassenzimmern und ein Fußballfeld. Doch wie vielerorts in Paraguays östlicher Provinz Itapúa hausen in den rudimentären Hütten Landlose. Etliche der 130 Familien an diesem Straßenabschnitt leben seit 13 Jahren hier. Direkt an die Hütten grenzt das 2.500 Hektar große Anwesen eines “Brasiguayos”, eines schon lange in Paraguay ansässigen brasilianischen Sojafarmers.
Wegen der boomenden Weltmarktpreise für Soja tobt der Landkonflikt zwischen den Großgrundbesitzern und den Kleinbauern erbitterter denn je. In der vergangene Woche wurde das größte Problem des südamerikanischen Landes zum Fallstrick für den linken Präsidenten Fernando Lugo. Weil… weiter lesen
26.06.2012 von Gerhard Dilger
Heute feiert der große Gilberto Gil seinen 70. Geburtstag. Auf seinem YouTube-Kanal gibt es heute abend (ab Mitternacht MESZ) ein Gratiskonzert.
Hier das biographische Interview, das ich 2009 mit dem Meister geführt habe.