Archive for Februar, 2012

29.02.2012 von Christian Ihle
blogavatar

Songs des Monats Februar: Bleeding Knees Club, Cloud Nothings, Soap&Skin, Beth Jeans Houghton, Team Me

von Christian Ihle

Song des Monats:


1. Bleeding Knees Club – Teenage Girl


bleeding knees club


Zwei blutjunge Burschen aus Down Under, die – wie es sich für blutjunge Burschen nun mal gehört – die schönste Ramonesrevivalmusik des Jahres machen. Wer mit dem Debütalbum der Smith Westerns glücklich geworden ist und deren Glam-Einflüsse gegen Girlgroup à la Shangri-Las tauschen möchte, ist mit dem Bleeding Knees Club mehr als nur gut bedient. Auf Album klingt “Teenage Girl” ein klein wenig domestizierter und nicht so ganz ins Tiefrote übersteuert, aber dafür hämmern die Drums als gäbe es kein Morgen mehr. Wunderbar.


YouTube Preview Image


2. Perfume Genius – Dark Parts


perfume genius


“Dark Parts” ist nicht nur der herausragende Song des neuen Perfume Genius –… weiter lesen

27.02.2012 von Christian Ihle
blogavatar

Schmähkritik (480): Markus Lanz

von Christian Ihle

“Markus Lanz meets Philipp Rösler. Gemeinsam ziehen sie eine Show ab, die den „tiefsten Tiefpunkt“ (Rudi Völler) des deutschen Journalismus und den Marianengraben politischer Wahrhaftigkeit markiert. Es ist ein sagenhaftes Theater, Rösler gibt den Parzival, der den Gral endlich gefunden hat, ins Narrenkleid ist derweil der steigbügelhaltende Moderator Lanz gerückt. (…)
Bei Markus Lanz wird es zum Kasperltheater, zur großen Sause, zum Jux. Das Textbuch dafür gibt die „Bild“-Zeitung vor. Wer dazu den passenden Auftritt im Fernsehen sucht, der geht zum netten Herrn Lanz, der sich so schlau dünkt.

Denn bei ihm wird das Machtkalkül zum gespielten Witz. Er redet so süß über „die Angela“ und „den Philipp“, dass einem schlecht wird. Erst fasst Rösler Lanz am Arm, wie Gauck es mit ihm gemacht habe, dann Lanz „den Philipp“. „Jetzt mal ehrlich,“ sagt der Markus dann, „die Angela“, die „ham Sie doch über den Tisch gezogen.“ Über den Tisch gezogen werden an diesem Abend aber alle, die diese Sendung sehen. Denn es wird ihnen eine Heldengeschichte erzählt, die von vorn bis hinten nicht stimmt. Hintergründe und Handlungsmaximen werden hier in ihr Gegenteil verkehrt.
(…)
Lanz hat schon lauter lustige Videos eingespielt, die zeigen sollen, dass Philipp Rösler nicht nur ein liberaler Held, sondern auch ein Witzbold von Gnaden ist.

Erzählt er doch vor johlender Bierzeltmenge, dass es „die Angela“ inzwischen auch als Barbie-Puppe gebe, für dreihundert Euro. Die Puppe selbst sei preiswert, aber die vierzig Hosenanzüge kämen teuer. Für eine solchen Gag würde man selbst bei der Mainzer Fastnacht ausgebuht. Im Mainzer Spätabendprogramm gilt das hingegen als kolossal.”

…so Michael Hanfeld in der FAZ
Und Stefan Niggemeier zum gleichen Thema:


“Michael Hanfeld ist relativ leicht zu erregen, und ich würde nicht jede Wertung in seinem Artikel unterschreiben. Aber beim Lesen habe ich mich daran erinnert, wie sehr auch mich beim Zuschauen ein Gefühl von Ekel überwältigt hatte und wie real mir die Sorge erschien, dass, wenn ich das zuende gucken würde, ich später in meinem eigenen Erbrochen zu mir käme.

Es hat ja nicht nur die Ebene der politischen Propaganda, wie sie Hanfeld beschreibt. Es ist auch die Dimension der Boulevardisierung von Themen und Infantilisierung von Kommunikation im Fernsehen, die hier sichtbar wird. Angesichts der Vorarbeit von Leuten wie dem Seelenprokler Reinhold Beckmann und dem Vaselineartisten Johanns B. Kerner müsste es eigentlich schwer sein, da noch neue Tiefen auszuloten. Lanz gelingt es mühelos.”



… weiter lesen

24.02.2012 von Christian Ihle
blogavatar

My Favourite Records mit Kettcar

von Christian Ihle

Mit ihrem vierten Album konnten Kettcar letzte Woche den Top-Ten-Hattrick feiern und zum dritten Mal auf Platz 5 der Albumcharts landen (auch wenn wir hier Album Nummer 1 mit seinem unverwüstlichen Landungsbrücken-Song immer noch für die beste Kattcarplatte halten). Erik Langer von der Hamburger Indie-Band stellt sich unseren Fragen nach Kettcars Lieblingsplatten:



* Die drei besten Punksongs/-singles?


YouTube Preview Image


cotzbrocken – wie sieht der denn aus
dead kennedys – too drunk to fuck
slime – deutschland


YouTube Preview Image


* Ein Song, der Dich immer zum Tanzen bringt?


ride – twisterella


* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?


kraftklub

die kommen respektlos und charmant rüber.
zudem haben ihre texte einen schönen sprachwitz.


* Derweiter lesen

23.02.2012 von Christian Ihle
blogavatar

Schmähkritik (479): Azealia Banks über Kreayshawn

von Christian Ihle

Unsere beiden Pop-Tipps für 2012 gehen aufeinander los:

“@Kreayshawn: You’re a dumb bitch. And you can’t rap. I’ll sit on your face. Fall back slut.”

…so Azealia auf ihrem Twitter-Account mit einer Nachricht an Kreayshawn. Musikalisch dürfte Azealia auf jeden Fall die Nase vorn haben:

YouTube Preview Image
vs.
22.02.2012 von Christian Ihle
blogavatar

Blur bei den Brit Awards & Gallagherisms: Noel Gallagher trinkt Friedensbier mit Damon Albarn und empfiehlt Radiohead ihren Drummer zu feuern

von Christian Ihle

In seinem jüngsten Interview mit dem NME begräbt Ex-Oasis-Mastermind Noel Gallagher nicht nur das Kriegsbeil mit dem alten Britpop-Rivalen Damon Albarn (für die Hintergründe der alten Britpop-Schlacht siehe auch hier), sondern ist gar voll des Lobes. Nicht so gut kommen dagegen Radiohead weg, auch wenn sich Noel noch zu einer Relativierung durchringt:





NME: Damon Albarn or Thom Yorke: which of the two would you rather collaborate with?

Noel Gallagher: Oh, Damon. We’d never been in the same room for maybe 10 or 15 years. And I always said to myself that if I ever was, I’d go and say “Fucking hell, alright man?” and shake his hand and let bygones be bygones. So, anyway, we were out at some nightclub a couple of months ago, and I was going to the bar. Turned the corner and bumped… weiter lesen

21.02.2012 von Christian Ihle
blogavatar

Schmähkritik (478): Joachim Gauck

von Christian Ihle

“Als Pfarrer mit Reiseprivilegien begann Gauck ziemlich genau zu dem Moment lautstark gegen die DDR zu protestieren, als dies nichts mehr kostete, um sich hernach mit umso größerem denunziatorischen Eifer an die Aufarbeitung der DDR-Geschichte zu machen. (…) Freilich hat sich Gauck nicht erst nach seiner gescheiterten ersten Kandidatur ideologisch zwischen Martin Walser, Erika Steinbach und Stefan Effenberg verortet. Ein reaktionärer Stinkstiefel war er schon vorher.


So mag der künftige Bundespräsident keine Stadtviertel mit “allzu vielen Zugewanderten und allzu wenigen Altdeutschen”, will das “normale Gefühl” des Stolzes aufs deutsche Vaterland “nicht den Bekloppten” überlassen, missbilligt es, “wenn das Geschehen des deutschen Judenmordes in eine Einzigartigkeit überhöht wird”, besteht darauf, dass der Kommunismus “mit ausdrücklichem Bezug auf die DDR als ebenso totalitär eingestuft werden muss wie der Nationalsozialismus”, trägt es den SED-Kommunisten nach, das “Unrecht” der Vertreibung “zementiert” zu haben, indem “sie die Oder-Neiße-Grenze als neue deutsch-polnische Staatsgrenze anerkannten”, und fragt – nicht ohne die Antwort zu kennen –, “ob Solidarität und Fürsorglichkeit nicht auch dazu beitragen, uns erschlaffen zu lassen”.

Einem Apparatschik wie Wulff hätte man es hundertmal um die Ohren gehauen, Leichenberge mit Aktenbergen zu verwechseln oder alleinerziehenden Stützeempfängerinnen mangelnden Schwung vorzuhalten.
(…)

Deswegen merkt auch kaum jemand, wie viel antidemokratisches Ressentiment im Gerede vom “Konsenskandidaten” steckt, das Gauck ins Amt tragen wird; wie viel von der autoritären Sehnsucht wenn nicht nach dem Führer, so doch wenigstens nach dem Kaiser, der mit sonorer Stimme und nachdenklicher Miene vermeintlich tabubrecherische, in Wahrheit aber gefällige Ansichten zum Besten gibt.
(…)

Schade ist nur, dass er nicht gleich am Donnerstag auf der Gedenkfeier für die Opfer der Nazimorde anstelle von Wulff in die Bütt gehen wird. Andererseits: Der nächste Dönermord oder eine andere Gelegenheit, um Ausländern die Meinung zu geigen, Verständnis für die Überfremdungsängste seiner Landsleute zu zeigen, die Juden in die Schranken zu weisen und klarzustellen, dass Nationalsozialisten auch nur Sozialisten sind, findet sich ganz bestimmt.”

(Deniz Yücel wettert in der TAZ mit verlässlichem Furor gegen den neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck)

Edit: Hier übrigens eine ausführliche Analyse der oben genannten Zitate, die inhaltlich vielleicht erwähnt werden sollte.

… weiter lesen

20.02.2012 von Christian Ihle
blogavatar

Berlinale (7): This Ain’t California über die Skateboard-Szene der DDR und Young & Wild aus Chile

von Christian Ihle

This Ain’t California

YouTube Preview Image


1. Der Film in einem Satz:

Skate Or Die.


2. Darum geht‘s:

Unbemerkt von der westlichen Öffentlichkeit hatte sich auch in der DDR in den 80ern eine kleine, aber feine Skateboard-Szene etabliert. Mehr noch als ihre Sportskameraden im Westen war Skaten ein subversiver Akt, mit dem der kommunistische Staat so seine Probleme hatte. Erst versuchte man die Skater zu verbieten, später zu domestizieren – beides gelang nie wirklich. This Ain’t California erzählt die Geschichte der DDR-Skate-Szene und entwickelt sich von einem generellen Überblick zu einem sehr persönlichen Portrait des Skaters mit dem Spitznamen “Panik”.
Als er – nach verschlungenen Nach-Wende-Wegen – in Afghanistan als Bundeswehrsoldat stirbt und sich die ehemaligen Skate-Kumpels auf seiner Beerdigung wieder treffen, bietet das den Rahmen, um die Geschichte von Panik und des DDR-Rollbrettfahrens nachzuerzählen.

This Ain’t California beeindruckt nicht nur mit seinen skurillen,… weiter lesen

18.02.2012 von Christian Ihle
blogavatar

Berlinale (6): Haywire von Steven Soderbergh

von Christian Ihle

Haywire (Regie: Steven Soderbergh)

YouTube Preview Image


1. Der Film in einem Satz:

Eine neue Lara Croft ward uns geboren.



2. Darum geht‘s:

Die hübsche Privatagentin Mallory muss nach einem Einsatz in Barcelona feststellen, dass ein Komplott gegen sie läuft und sich nun selbst verteidigen um hinter die Drahtzieher der Verschwörung gegen sie zu kommen.
So weit, so Bourne. Und tatsächlich überrascht der Genre-Derrwisch Steven Soderbergh diesmal mit einem lupenreinen Actionfilm! Haywire will Action sein, soll Action sein. Nicht mehr, nicht weniger – und genau das gelingt ihm auch. Zwar mag die Verschwörungsgeschichte etwas zu dick aufgetragen sein, aber Soderbergh choreographiert einige schöne Faustkämpfe und legt seinen Schwerpunkt ganz darauf, Gina Carano als Hauptdarstellerin eine Plattform zu bieten. Wohl auch der Hauptgrund, dass Haywire auf Explosionen und Technikoverkill verzichtet, sondern am liebsten Mann gegen, eh, Frau kämpfen lässt – und das auf imposante Weise,… weiter lesen

17.02.2012 von Christian Ihle
blogavatar

Berlinale (5): Young Adult von Jason Reitman und Was bleibt von Hans-Christian Schmid

von Christian Ihle

Young Adult (Regie: Jason Reitman)


YouTube Preview Image

1. Der Film in einem Satz:

Was Charlizechen nicht lernt, lernt Charlize nimmermehr.


2. Darum geht‘s:

Die 37jährige Mavis ist hübsch, lebt in der Großstadt, schreibt Kinderbücher und liebt Party, Sex und Alkohol. Mit Abscheu schaut sie auf ihr ehemaliges Kleinstadtleben zurück – bis sie eine e-Mail ihres Exfreundes bekommt, der ein Bild seines Neugeborenen verschickt. Noch bevor der letzte Onenightstand aus der Wohnung geworfen wurde, packt Mavis ihren Koffer und fährt ins verschlafene Heimatnest mit dem festen Ziel, die alte Flamme zurückzubekommen…

Young Adult ist die erste Zusammenarbeit von Jason Reitman (Regie) und Diablo Cody (Buch) seit Juno – und nach diesem Goldstück der US-Indie-Komödie mit großer Spannung erwartet worden. Young Adult enttäuscht nicht – ohne je die Höhen von Juno zu erklimmen.
Die ersten zwei Drittel des Films… weiter lesen

16.02.2012 von Christian Ihle
blogavatar

Words Of Wisdom: Ricky Gervais bei Jon Stewart über Panda-Porn

von Christian Ihle

Um seine neue Show “Life’s Too Short” vorzustellen, war der britische Comedian Ricky Gervais Gast in der Jon-Stewart-Show. Es folgte ein denkwürdiger Dialog über tierische Fortpflanzung, Panda-Porn und überhaupt die Weigerung von Pandas, ausreichend Sex zu haben:

“The thing is — right now, pandas are one of the most endangered species on the planet, right?
We’re all rushing around going let’s save the panda but they’re not meeting us halfway. They’re not having sex so that’s fundamental to surviving. When did they stop having sex? Why are they so like middle-class bohemian going, ‘we’re not going to have children!’ It’s ridiculous.

In der Folge lässt sich Gervais mehrere Ideen einfallen, um Pandas zu retten, die allesamt sehenswert sind:

Hier das Interview: Klick