vonChristian Ihle 17.09.2021

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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1. Blonde On Blonde von Bob Dylan

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Three in a row: in nur 18 Monaten veröffentlichte Bob Dylan „Bringing It All Back Home“, „Highway 61 Revisited“ und „Blonde On Blonde“, was auch noch ein Doppelalbum war – unerhört!

In der kanonischen Geschichtsschreibung steht „Blonde On Blonde“ wohl sogar noch über seinen beiden Vorgänger, aber so weit würde ich nicht gehen, da auf „Blonde On Blonde“ mit dem Blueser „Pleading My Time“ dann doch sogar mal ein schwächerer Song auf einem Dylan-Album zu finden ist. Aber dann, meine Freunde: „Visions Of Joanna“, „One Of Us Must Know“, „I Want You“ und „Stuck Inside Of Mobile With The Memphis Blues Again“ – die 60er haben kaum eine bessere Songfolge auf irgendeinem Album vorgelegt als Dylan hier auf der ersten Hälfte von „Blonde On Blonde“. Sein Mammutwerk beschließt Bob mit dem elfeinhalbminütigen „Sad Eyed Lady Of The Lowlands“. Wow.

2. Black Monk Time von The Monks

Amerikanische GIs, die in Gelnhausen, West-Deutschland, eine Garage-Band gründen, sich wie katholische Mönche – Tonsur inkludiert – kleiden, einen Galgenknoten um den Hals binden und ihr einziges Album mit dem kompromisslos-durchgeknallten Anti-Vietnamkriegs-Song „Monk Time“ beginnen? Was zur Hölle war das?

Das war eine der spannendsten Gruppen der nun wirklich nicht an spannenden Gruppen armen 60er Jahre. Selbst die normalerweise nüchtern formulierende Wikipedia schreibt gleich im ersten Absatz treffend: „The band’s unconventional blend of shrill vocals, confrontational lyrics, feedback, and guitarist David Day’s six-string banjo baffled audiences, but music historians have since identified the Monks as a pioneering force in avant-garde music. The band’s lyrics often voiced objection to the Vietnam War and the dehumanized state of society, while prefiguring the harsh and blunt commentary of the punk rock movement of the 1970s and 1980s“.

Insbesondere „I Hate You“, eine Hymne der Misanthropie, und Albumopener „Monk Time“ sind auch 55 Jahre später noch Knaller, die für mich zu den allergrößten Songs der ganzen Garage-Rock-Ära gehören.

3. Love von Love

„Love encompasses a range of strong and positive emotional and mental states, from the most sublime virtue or good habit, the deepest interpersonal affection, to the simplest pleasure“ schreibt Wikipedia und hat sicher Recht, auch wenn ich für die Band gleichen Namens doch noch weiterklicken musste.
Ein Jahr bevor Love (die Band) mit „Forever Changes“ das sublime Referenzwerk für Baroque-Pop veröffentlichte, erschien 1966 ihr Debüt, das noch mehr auf die „simplest pleasures“ setzte und klar von der Garagenrock-Welle beeinflusst war. Am stärksten natürlich im Opener „My Little Red Book“ mit seiner kickstartenden Drum-Bass-Kombination, die heute noch jede Tanzfläche füllen sollte. Dennoch sind Love auch 1966 schon anders als ihre Kollegen, haben neben allem Krächzen und Schreien mehr Sehnen, mehr Fühlen zu bieten. Ein unterschätztes Album.

4. Them Again von Them

So gut, dass ich es mir im Rahmen dieses Projekts sofort als Vinyl-Platte nachkaufen musste. Eine beeindruckende Kombination aus Amerika-R&B und Insel-Beat, aus Van Morrissons Soul-Stimme und Thems Mod-Instrumentierung. Zwar sind etliche Songs nicht selbst geschrieben und schrecken Them auch nicht vor der Neuvertonung von Gassenhauern wie Screamin‘ Jay Hawkins‘ „I Put A Spell On You“ oder Ray Charles‘ „I Got A Woman“ zurück, nehmen dafür aber auch die vielleicht beste Dylan-Cover-Version jenseits der Dylan-Cover-Version-Spezialisten der Byrds auf: „It’s All Over Now, Baby Blue“. Mit am stärksten sind die Original-Kompositionen des Produzenten Tommy Scott, die Them für „… Again“ aufnahmen: „Call My Name“ und „I Can Only Give You Everything“.

5. Pet Sounds von The Beach Boys

Auf der Haben-Seite „Wouldn’t It Be Nice“, „Sloop John B“ und „God Only Knows“, andererseits aber auch viele Songs, die wunderbar arrangiert sein mögen und in dieser Hinsicht für 1966 einen unerreichbaren Standard setzten, mich aber einfach kalt lassen. Deshalb ist „Pet Sounds“ zwar für mich besser als „Revolver“ der Beatles oder „Aftermath“ der Stones, steht aber auf der anderen Seite trotz seines Rufs als ‚bestes Album aller Zeiten‘ für mich in 1966 nicht dort, wo Dylan oder die Monks thronen.

Retrospektive 1966:
1966: Die besten Singles des Jahres #1 – #10
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1966: Die besten Filme des Jahres #11 – #19>/a>

Retrospektive 1965:
Retrospektive 1965: Songs, Alben, Filme

Im Rahmen einer groß angelegten Retrospektive, die auf eine Idee meines Freundes Lassie zurückgeht und in einem der letzten Podcasts mit Horst Motor zur Umsetzung gebracht wurde, blicken wir gemeinsam auf ein Jahr zurück und nominieren die besten Songs, Alben und Filme. Wer die Rankings der beiden ebenfalls lesen will und zudem die schöner aufbereiteten Listings finden will, kann sich hier auf motorhorst.de direkt vergnügen.

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