Archive for August, 2006

31.08.2006 von Ernst Volland
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Die Kartoffel

von Ernst Volland

 

 

 

Die Kartoffel                                                                               

 

 

 

An einem schönen Ostersonntag fuhren wir aus Berlin

hinaus in ein Landgasthaus. Der Weg dorthin führt über die südliche

Autobahn und die Fahrt ist nicht weit. Kulinarische

Genüsse rund um die Hauptstadt sind mit der Stecknadel zu suchen,

oft schon wurde man enttäuscht. Im angesteuerten Restaurant

„Zur Eiche“ war die Bedienung meistens freundlich, das Essen

nicht Sterne verdächtig, doch passabel und vor allem kontinuierlich

gut. Wir hatten nichts reserviert, was ein Fehler war, denn an diesem

sonnigen Frühlingsostersonntag wollten auch andere nicht

zu Hause bleiben. Bald bekamen wir einen Tisch in der Nähe

der Theke und leider auch in der Nähe der Eingangstür

zugewiesen, den wir akzeptierten.

Wir wurden begleitet von einem nicht mehr ganz jungen Ehepaar,

das gerade geheiratet hatte.

Das Paar spielte mit dem Gedanken, im Speckgürtel von Berlin

ein Lokal zu eröffnen mit badischerweiter lesen

28.08.2006 von Ernst Volland
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Brigitte

von Ernst Volland

Als Fahrschüler musste ich vier Jahre von W. nach V. fahren. Vier Jahre sind für einen Schüler eine lange Zeit. Wo Schatten ist, ist auch Licht und so hat das Fahren auch Vorteile. Wenn man nicht in der Stadt wohnt, in der man zur Schule geht, ist man automatisch aus dem Kontrollbereich der Lehrer. Im letzten Jahr meiner Fahrzeit hatte ich eine Freundin, die von zu Hause ausgezogen war und sich eine 1- Zimmer Wohnung gemietet hatte, Ofenheizung, Außentoilette. Die Freundin befand sich im dritten Lehrjahr, ihr Einkommen war sehr gering und sie mussten sich in allem sehr einschränken. In meiner Schule in V. hatte ich eine zweite Freundin, Brigitte. Die Beziehung zu ihr war eher platonisch, obwohl Brigitte den größten Busen an der Schule besaß und der von allen Jungen bewundert wurde. Dass ein so großer Brustumfang auch erhebliche Nachteile mit sich bringen kann und auch psychologisch nicht einfach… weiter lesen

25.08.2006 von Ernst Volland
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Unterwegs 5

von Ernst Volland

Die kleine Aufmerksamkeit

 

Der Fotograf ist einer der bedeutendsten russischen Fotografen,

einige seiner Bilder sind weltbekannt und in jedem Schulbuch

zu finden

Er sitzt in der Küche. Vor ihm steht ein Flasche Wodka,

daneben liegen ein Scheibe Brot und etwas Käse.

„Wann fahren wir nach Hamburg?“

Der Fotograf hat diese Frage schon mehrmals gestellt. Zwischen den Beinen

hält er einen Stock, den er zum Gehen braucht. Die obere Hälfte

seines Gesichts bedeckt eine große Brille mit dicken Gläsern,

ein Modell, das schon lange ausgelaufen ist und an

die ersten Jahre nach dem Krieg erinnert.

Vor drei Tagen landete der Fotograf aus Moskau auf dem Flughafen Tegel.

Er hält sich gern in Berlin auf. Die Einzimmerwohnung am Stadtrand

von Moskau im 6. Stock und seine körperliche Unbeweglichkeit

schränken seinen Radius ein.

Die Aufmerksamkeit, die sein Werk zum Ende des Lebens

im Westen bekommt und mit Ausstellungenweiter lesen

24.08.2006 von Ernst Volland
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Unterwegs 4

von Ernst Volland

 

 

 

 

Newcastle                                                                                 

 

 

 

In den Sommerferien wollte ich nach England fahren. Für die

Kosten der Fahrt jobbte ich an Nachmittagen bei

einem Versorgungsschiff, das die großen Öltanker, die draußen

vor Reede liegen, mit Proviant versorgt, bis sie zum Löschen

an die Pier können. Das kleine Versorgungsschiff bringt nicht

nur Kisten mit Obst und Backwaren, auch Ersatzteile, Taue

und kleine Geräte. Die Arbeit ist hart und muss schnell gehen,

manchmal bekommt man eine Stange Camel oder Chesterfield auf dem

großen Tanker in die Hand gedrückt, ohne das Weihnachten ist.

Es ist das Jahr 66 und London  die heißeste Stadt des Kontinents.

Aber nicht die Musik, Beatles Stones, Yardbirds ziehen mich

nach London, nicht Fish and Chips  und auch nicht die

Mode, Kunst oder die Möglichkeit, leicht an Gras zu kommen.

Ich war in ein Mädchen verliebt, mit dem schönen Namen

Ursula und dieseweiter lesen

23.08.2006 von Ernst Volland
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Unterwegs 3

von Ernst Volland

 

 

A und H.

 

 

Drei Busse fahren von Berlin, mit einem Zwischenstop

am jüdischen Friedhof in Breslau/Wroszlaw, direkt

in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.

Die Übernachtung ist in einem Hotel in Krakau gebucht.

Jedes Jahr im November organisiert die Berliner

SPD diese Reise.  Auschwitz kenne ich nicht. Ich habe schon lange den

Wunsch, nach Auschwitz zu fahren. Hiroshima und Auschwitz sind für

mich die herausragenden Städte des 20. Jahrhunderts.

Hiroshima hatte ich bereits besucht. Von Tokio ging die Reise

tausend Kilometer mit dem  Tsiankensen Rapid, der vierhundert Klometer

pro Stunde fährt.

Das Museum in Hiroshima  beeindruckt. Mitten im Museum hat man

eine Zeitspirale platziert und diese optisch mit  der  unvorstellbaren Wirkung der

Atombombe gekoppelt. Die Auswirkung der Bombe ist somit an konkreten Objekten

und Beispielen vom Zentrum des Aufschlages in einem Umkreis von

zweitausend Kilometern und im Zeitraum von drei Jahren anschaulich weiter lesen

21.08.2006 von Ernst Volland
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Blut geleckt

von Ernst Volland

In der Hochschule der Künste

war keine fallende Stecknadel zu hören.

An der Wand flimmerten Filme der Wiener

Aktionisten Mühl, Brus und Nitsch.

Die Hälfte der Zuschauer wohnte seit einiger Zeit

in Kommunen, Fabriketagen und Wohngemeinschaften.

Der menschliche Körper in all seinen Ausdünstungen

konnte ihnen nicht fremd sein. Doch was sie hier

auf der kleinen Leinwand in schwarz/ weiß sahen,

war nicht jedermanns Kost. Der eine Künstler kippte Liter mit

Blut über seinen Körper, der andere bewarf sich mit

blutigen Fleischklumpen und der dritte kackte einer

Partnerin in den Mund. Die Vorführung diente

der Berufung für eine ordentliche Kunstprofessur

an der Hochschule für Bildende Künste.

Im Anschluss an die Filmvorführung erwartete das Publikum

eine Live-Performance des Künstlers Günter Brus, der an diesem Tag

jedoch verhindert war und als einer der Favoriten

galt. Die Performance wurde um zwei Tage verschoben,

und der Ort in eine Dahlemer Villa verlegt.

Bernd saßweiter lesen

16.08.2006 von Ernst Volland
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Unterwegs 2

von Ernst Volland

Zwei Bekannte

Sie 1 : Kassler war ja lecker

Sie 2 : Zu viel Majoran dran. Wieso überhaupt Majoran bei Kassler.

Sie 1 : War da Majoran dran? Bei mit nicht. War ein ordentliches Stück Fleisch und

gut Sauerkraut.

Sie 2 : Ich hatte gestern Pommes. Nur mit Sauerkraut. Ohne alles. War auch lecker.

Sie 1 : Ich war gestern zu spät zum Essen. Aber das war auch nich gut. Das war nix.

Sie 2 : Frühstück war gut. Zwei Brötchen. Ordentlich Kaffe. Vierfuffzig. Kann man nich

meckern.

Sie 1 : Ja, ausreichend Orangensaft.

Sie 2 : Jaja reichlich und wirklich nicht zu teuer.

Sie 1 : Am ersten Tag war das ja nicht gut. Heidrun war der gleichen Meinungweiter lesen

14.08.2006 von Ernst Volland
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Unterwegs 1

von Ernst Volland

Frage: Wie verhält man sich, wenn man im ICE zwischen Göttingen und Fulda am Nachbartisch, besetzt mit vier jungen Menschen ( 2 Damen, zwei Herren, zwischen 20 und 30), deutlich vernehmbar dieses hört?

“Kennt jemand einen Witz?

Ja, ich. Was ist das: Ein Neger fährt die Rolltreppe runter.

Keine Ahnung.

Scheisse, die abwärts fährt.”

13.08.2006 von Ernst Volland
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Angezeigt

von Ernst Volland

In eine Zeitschrift setze ich unter Chiffre folgenden Text:

„Kater sucht Schmusekätzchen.“, in die andere: „Ich ficke gern.“

Nach zehn Tagen schließe ich die Aktion ab und mache mich an die

Auswertung. Auf die Anzeige „Schmusekätzchen“ haben sich vier

Frauen beworben, auf „Ich ficke gern“ erhalte ich hundertundzwölf

Antworten.

Zuerst lese ich die Antworten der Chiffre Anzeige

„Schmusekätzchen „ durch. Eine einzige

scheint interessant zu sein. Eine Ärztin, die in einem Krankenhaus

arbeitet, möchte weiteren Kontakt. Anschließend beginne ich den

Stapel der Anzeige „Ich ficke gern“

durchzulesen. Schon nach wenigen Briefen muss ich

eine Pause machen, trinke einen Kaffee und schalte den

Fernseher ein, um mich etwas abzulenken. Danach gehe ich

wieder an den Schreibtisch und sehe weiter

jeden einzelnen Brief durch. Es haben nicht nur Frauen geschrieben,

auch fünfunddreißig Männer. Bei einigen liegen Fotos bei, Köpfe aus

Fotoautomaten, schwarz/weiß und in Farbe, andere zeigenweiter lesen

02.08.2006 von Ernst Volland
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Che sera sera, whatever will be will be

von Ernst Volland

Che sera sera, whatever will be will be…

Ein englischer Sammler erstellte einmal eine persönliche Hitliste

mit den hundert schlechtesten Künstlern. Er konnte sich immer

nicht entscheiden, wen er auf Platz 1 setzen sollte. David Hockney

oder Richard Serra.

Der Sammler ist ein gebildeter Mann, nicht mehr der Jüngste

und schon lange im künstlerischen Geschäft.

Neid kann es nicht sein, denn er beschäftigte sich mehr

mit angewandter Grafik, hat Platten-Cover

von Jimmy Hendrix gestaltet und ist inzwischen ein

renommierter Sammler. Seine Hitliste fiel mir wieder ein,

als ich in Bilbao eingeladen war, eine Ausstellung zu eröffnen

zum Thema Berlin. Zwei Fotografen, ein Amerikaner und eine

Spanierin, zeigten ihre Eindrücke aus dieser Stadt. Sie lebten und

arbeiteten dort für mehrere Jahre und da die Stadt ein sehr positives

Image hat, gaben sie der Foto-Ausstellung den schlichten Titelweiter lesen