Archive for Oktober, 2011

31.10.2011 von Christian Ihle
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Gallagherisms (12): Noel Gallagher über Facebook

von Christian Ihle

“Why would I join facebook? I only have six friends and I’m trying to get rid of one of them.”

(Noel Gallagher über die Freuden von Facebook)

Noel über:
- in kleinen Hallen auftreten zu müssen
- das Oasis-Album “Be Here Now”
- Oasis … weiter lesen

29.10.2011 von Christian Ihle
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Schmähkritik (452): Chuck Klosterman über Lou Reed und Metallica sowie Metallica-Fans

von Christian Ihle

“It’s not really designed for people who like music. It sounds like what it is: an elderly misanthrope reciting paradoxical aphorisms over a collection of repetitive, adrenalized sludge licks. Anyone who tries to suggest it’s surprising in any way needs to reexamine his or her propensity for being surprised. (…) It is not a successful record. It might be a successful simulation of how it feels to develop schizophrenia while suffering from a migraine, although slightly less melodic. (…) If the Red Hot Chili Peppers acoustically covered the 12 worst Primus songs for Starbucks, it would still be (slightly) better than this. “Loutallica” makes SuperHeavy seem like Big Star. But this is what happens in a free society. Enjoy your freedom, slaves. (…) The reason Lulu is so terrible is because the people making this music clearly don’t care if anyone else enjoys it. Now, here again — if viewed… weiter lesen

28.10.2011 von Christian Ihle
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My Favourite Records mit Brian Fallon (The Gaslight Anthem, The Horrible Crowes)

von Christian Ihle

Im letzten Jahr hat die Hauptband von Brian Fallon, The Gaslight Anthem, zurecht ihren endgültigen Durchbruch auch außerhalb von Punk-Kreisen geschafft. 2011 legte Fallon Gaslight Anthem erst einmal auf Eis, um mit seinem Nebenprojekt The Horrible Crowes eine Platte zu veröffentlichen. Im Rahmen der Interviews zum Horrible-Crowes-Album hat sich in deutschen Punkzirkeln dann sogar ein kleiner Eklat zugetragen, als sich Fallon in einem Visions-Interview mehr oder minder zum Kreationisten bekannte, was wiederum beim Ox Fanzine heftige Reaktionen hervorrief.
Anyway, wir haben Fallon – Gott sei Dank! – keinen Lieblingsreligionsfragebogen zugesandt, sondern wollten von ihm nur seine favourite records wissen!

* Your three favourite Punk singles/songs?

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I’d say Straight to Hell by the Clash, You Got It All…Wrong by the Hives, and The Passenger by Iggy Pop are probably my three favorite punk singles.

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* A record that will make you dance?

I really like Sam Cooke, that might make me dance, though I’m not much of a dancer.

* Your favourite song lyrics?

It’s hard to pick my favorite lyrics, I don’t think i can do it, I love too many lyrics. I don’t have just one.

* The Clash, Ramones or The Sex Pistols – which one do you prefer and why? … weiter lesen

27.10.2011 von Christian Ihle
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Im Plattenregal: French Films, Grand Roses

von Christian Ihle

French Films – Imaginary Future

Im Grunde standen The Drums immer recht allein da – qua Vorlieben und gerade aufkommender Szene wurden sie zwar in die Lo-Fi-Schublade gesteckt, aber die sonst typischen Merkmale (die Soundwand von Jesus & The Mary Chain, die Melodieseligkeit der Ronettes, die Kettensägen-produktion der Ramones) fand man auf dem Drums-Debüt überhaupt nicht wieder. The Drums paarten Beach Boys – Anklänge mit einem skeletaren Soundgewand, das sich vor allem bei Beat Happening anlehnte. French Films sind nun so ziemlich die erste Band, die sich tatsächlich bei näherer Betrachtung ebenfalls in die Drums-Ecke stellen dürfen. Ein Händchen für Melodien, dazu geradlinig strukturierte Songs – allerdings mit etwas mehr Wucht, nicht gar so fragil. Zwar fehlt der French Films – Platte der eine oder andere Überhit der Drums, dafür wirkt das Album als Ganzes aber besser als das leider doch eher enttäuschende zweite Drumswerk. Wer also letzten Sommer fröhlich pfeifend die Summertime EP aus dem Plattenladen nach Hause trug, sollte 2011 lieber zum French Films-Debüt als zum Drums-Zweitwerk greifen.

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* Free Download

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Grand Roses – Hide

Angefangen beim Electroclash über den Post-Punk hin zur Synthie-Pop-Wiederkehr der Marke La Roux hat das 80er-Revival hat schon viele Ecken abgegrast. Selbst Goth ist wieder trendy, ist Zola Jesus doch einer der wenigen Acts, auf den sich sowohl die kleinen Indie-Blogger als auch die Platzhirsche Pitchfork und der NME einigen können. Vielleicht war es da nur eine Frage der Zeit bis jemand die drei Punkte Indierock, Goth-Einflüsse und Post-Punk zusammenzählt und mit dem Ergebnis New Model Army im Studio steht!
Da New Model Army zu den größten Bands gehören, … weiter lesen

26.10.2011 von Christian Ihle
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Tyrannosaur (Regie: Paddy Considine)

von Christian Ihle

1. Der Film in einem Satz:

Menschen: Die Hölle.

2. Darum geht‘s:

Joseph lebt allein, trinkt gerne und hasst die Welt. Er verliert bei einem Buchmacher Geld und prügelt aus Frust seinen Hund, seinen letzten verbliebenen Freund, tot. Joseph ist cholerisch, verzweifelt an seinem Leben und in jedem Moment kurz davor, auszurasten, alles kaputt zu schlagen, anzuschreien. Eine tickende Zeitbombe, die andauernd hochgeht.
Nach einer Schlägerei flüchtet er in einen Charity-Shop und lernt so Hannah kennen, eine tiefreligiöse, verheiratete Middle Class – Dame. Obwohl Hannah als eine der wenigen freundlich zu Joseph ist, wird sie von ihm ob ihres “besseren Lebens” verachtet, weil sie über den Problemen der Working Class (und derjenigen ohne Work) zu thronen scheint. Doch wenig später bemerken wir, dass Hannah in einer Ehe ist, die zu den schlimmsten gehört, die das Kino je gezeigt hat. Die Hölle, es sind immer die anderen Menschen, egal… weiter lesen

25.10.2011 von Christian Ihle
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Ja, Panik – Interview (2): “Aber ich will gar nicht, dass das System gerettet wird, ich will ja, dass alles untergeht!”

von Christian Ihle

Der zweite Teil unseres Interviews mit Andreas Spechtl, dem Sänger und Songwriter von Ja, Panik. Haben wir in Teil 1 vor allem darüber gesprochen, wie eine Band sich im Musikbusiness bewegen kann, ohne ihren eigenen Idealen untreu zu werden, sprechen wir nun mit Spechtl über die Art, wie er Texte schreibt, welche Referenzen er in seinen Lyrics zieht und welchen politischen Standpunkt er einnimmt:

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Der größte Unterschied zwischen den Aufnahmen eurer neuen Platte und ihrer Livepräsentation ist, dass bei „Nevermind“ von jedem Bandmitglied „seine Strophe“ gesungen wird. Woher kam diese Idee? Und warum hast auf Platte doch du alle Strophen übernommen?

Andreas Spechtl (Sänger und Songwriter von Ja, Panik): Die Idee war von Hans Unstern, der bei unseren Konzerten das Licht macht. Am Anfang waren wir skeptisch, weil es ja eigentlich auch keinen Sinn ergibt, denn jedes Bandmitglied singt ja über sich – also in der dritten Person…

…sozusagen Lothar Matthäus Style!

Spechtl: …aber wir haben festgestellt, dass es live toll funktioniert. Es ist beinahe wie bei einem Jazz-Konzert, bei dem jeder nach seinem Solo Szenenapplaus bekommt.

Denkst Du dann im Rückblick, dass ihr das auch auf Platte das schon so hättet aufnehmen sollen?

Spechtl: Das ist schon ein arges Liveding, weil man das Gesicht zur Stimme vor sich hat – da ist es dann auch weniger wichtig als auf Platte, wenn die anderen Bandmitglieder nicht alle wie ein Lercherl singen können.

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Die Großstadt und die Vereinzelung ist ein beherrschendes Thema auf der Platte – ist das für euch in Berlin spürbarer, erfahrbarer geworden als eurer vorherigen Heimatstadt Wien?

Spechtl: Das Interessante an der Vereinzelung durch die Großstadt ist ja die Gleichzeitigkeit des Versprechens von Nähe, dieses Riesenhaufens von Menschen, die sich aber immer fremder werden und dass die moderne Gesellschaft immer mehr Möglichkeiten zum Rückzug bietet. Es ist eine Dialektik der Kommunikation: einerseits kannst du immer alle erreichen, mit jedem immer reden, aber du musst dafür niemanden mehr treffen. Du sitzt zuhause und hast mehr Kontakt mit Menschen, hast aber im selben Moment weniger physischen Kontakt. Es kommt zusammen und zerfällt gleichzeitig.
Man darf aber auch nicht romantisch aufs Dorf schauen. Wenn ich heim ins Burgenland fahre, nach Deutschjahrndorf, und die alten Frauen hinter den Vorhängen durchschauen und sofort wieder zumachen, wenn sie mich sehen, dann ist das auch keine schönere Welt.

Entwickelt sich da bei Dir ein Kulturpessimismus hinsichtlich des Internets, Facebooks?

Ich bin sicher kein Kulturpessimist. Es geht darum, wie der Fortschritt begriffen wird, wie er verwendet wird. Der Fortschritt hat eine sehr emanzipatorische Seite, kann aber ins Gegenteil verkehrt werden. Das ist wie der Adorno-Klassiker mit der Aufklärung, dass die Aufklärung in einseitiger Handhabung auch in die Barbarei zurückfallen kann.
Man muss in jedem Moment fragen: Wem nützt es? Warum passiert es? Wie wird es angewendet? Sich diese Fragen zu stellen, schützt einen davor zu einem bornierten Kulturpessimisten zu werden.
Die Befreiungs- und Unterdrückungsmethoden sind sich wahnsinnig ähnlich. Mir geht’s um die Verwendung von Dingen, also ums wie.

Generell arbeiten Deine Texte oft mit Zitaten und Referenzen. Läuft das auf einer bewussten Ebene, dass du Lieder hörst, Bücher liest und Dir denkst, genau die Stelle will ich in einen meiner Songs einbauen? Oder verarbeitest du in Deinen Texten einfach unterbewusst, was Du vorher aufgenommen hast?

Spechtl: Früher habe ich mir arg alles aufgeschrieben, war sehr akribisch. Bei dieser Platte wollte ich das gerade ändern, ich wollte sehen, was eigentlich bleibt, wenn ich mir nichts aufschreibe. Wollte sehen, was mich prägt, beeinflusst, was ich gefiltert wieder ausstoße ohne mir wie früher pedantisch eine Notiz mit einem „Einbauziel“ zu machen.
Bei den alten Platten hatte ich mir vorher in einem Hefterl alles aufgeschrieben, was mir gefallen hat und habe beim Texteschreiben dann nachgesehen, was zu dem jeweiligen Song passen würde. Wobei es sehr wenige 1:1 – Zitate bei Ja Panik gibt, ich erlaube mir fast immer eine Änderung, oft sogar eine Umkehrung des Inhalts, wo nur noch Satz und Wörter als Assoziation bleiben.

Baust Du die Referenzen dann bewusst ein, dass der Hörer sie wahrnehmen kann, damit sie Assoziationen bei ihm auslösen?

Spechtl: Einerseits macht es natürlich Spaß, Referenzen durch den Kontext ins Gegenteil zu verkehren, das hat eine humoristische Seite. Manchmal ist es auch ein Fährtenlegen: wenn Du – gerade bei alten Ja Panik – Songs, die inhaltlich etwas vage waren – eine Referenz als Hörer erkannt hast und weißt, wo es hergekommen ist, war darin der Schlüssel, zu erkennen, wie das Lied eigentlich gemeint war. Der Inhalt des Liedes wurde also durch den Kontext der Referenz erst verständlich. Wie eine Überschrift für einen Song.
Meine Arbeitsweise war früher, dass ich den halben Tag gelesen, dann einen Joint geraucht und mich dann ans Texten gemacht habe – so dass in den Lyrics das vorher gelesene wieder auftaucht. Bei der neuen Platte habe ich versucht so zu tun als wäre alles von mir – was natürlich eh eine Lüge ist – um danach selbst zu schauen, was sich eigentlich in einem festsetzt, im Gegensatz dazu dass ich mich vorher gezielt damit gefüttert habe, um einen Kommentar in Liedform dazu abzugeben.

Da ich gerade Der Kommende Aufstand lese, stolpere ich immer wieder über Stellen, die mich an Deine Texte erinnern. Zum Beispiel „So ruft man einerseits die Gespenster ins Leben, und lässt andererseits die Lebendigen sterben“ in Der Kommende Aufstand bzw. „Man ruft Geister hier ins Leben, die Lebendigen, die gräbt man ein und schimpft sie Terroristen, Deserteure, nichtsnutzige Tagediebe“ in DMD KIU LIDT. Ich nehme an, du hast das Buch auch gelesen?

Spechtl: Ja, stimmt, das habe ich gelesen. Und der Text von DMD KIU LIDT beruht auf einer ähnlichen Idee wie das Buch. Ich fand es aber auch lustig, weil ich schon in „Die Luft ist dünn“ (vom The Angst & The Money – Album, Anm.) Bezug nehme auf eine Stelle aus dem Sophokles-Drama Antigone, in dem der Bruder unbeerdigt im Freien liegt und Antigone bittet, die Toten einzugraben, aber letztenendes sie ins Kellerverlies geschlossen wird. Bei Sophokles gibt es also auch eine Stelle, in der es darum geht, dass man die Toten ein- und die Lebendigen ausgraben soll – das ist eine sehr ähnliche Idee und ein schöner Gedanke, der sich auch gesellschaftlich anwenden lässt.

Wie ist deine Meinung denn zu Der Kommende Aufstand?

Spechtl: Ich stehe jetzt nicht inhaltlich völlig hinter dem Buch, aber es hat mich eine ganze Zeit lang beschäftigt. Es ist interessant, aber ich war auch belustigt wie viel Aufmerksamkeit es jüngst bekommen hat, weil es ja eigentlich schon so wahnsinnig alt ist…

… eigentlich wurde es 2006/2007 geschrieben…

Spechtl: …und ist 2007 in Frankreich herausgekommen, dann in England erschienen. Es gab ja auch schon ein Jahr vor der hiesigen Veröffentlichung eine deutsche Übersetzung, die ich damals schon aus dem Internet hatte.
Ich war überrascht, wie ernst das Buch genommen wurde. Ich kann da viel Humor aber auch viel falsche Romantik, viel Situationismus, aber auch wahnsinnig viel „ich weiß es besser“ – Bürgerlichkeit herauslesen. Auch viel Optimismus, an den ich leider nicht glaube. Einerseits rufen sie ja zum kommenden Aufstand auf, andererseits sagen sie aber auch, wir müssen ja gar nichts tun, es wird alles von selbst passieren. Das Buch sagt ja, dass alles den Bach hinuntergeht und wir deshalb sowieso vor einer neuen Weltordnung stehen. Der Kommende Aufstand hat viel von Foucault und sie haben natürlich ihren Marx gelesen.
Prinzipiell ist das schon eine mir nahe Denkform, denn als die Waffe der Kritik funktionieren ja noch immer Marx und die Poststrukturalisten. Was angestrebt wird, erliegt dagegen schon einer romantischen Verklärung. Einer ihrer selbst praktizierten Lösungen, der Rückzug aufs Land, ist einfach kein Ausweg und das kann man dem Kommenden Aufstand auch ankreiden. Seine Autoren, Das unsichtbare Komitee, hatten eine Landkommune, einen Biobauerhof – das ist natürlich auch wahnsinnig bürgerlich, das musst du dir erst einmal leisten können. Das ist nicht anders als wenn die Frau vom österreichischen Finanzminister sagt: „In der Wirtschaftskrise sollen die Bürger doch auf ihrer Dachterasse Gemüse anbauen“…

…was ja fast schon was von Marie-Antoinette hat…

Spechtl: …sie meint das auch wirklich ernst. Sie, im ersten Bezirk in Wien, auf ihrer 120 Quadratmeter Dachterasse kann sich natürlich schön ein paar Radieschen und Erdäpfel anbauen und dann bequem die anderen dazu aufrufen, auch ihre „Dachterrassen“ für die Selbstversorgung zu nutzen…
Am Kommenden Aufstand merkt man, dass es ein Buch eines rich kids ist. Er hatte Zeit sich zu bilden, sich zurückzuziehen. Die Antihaltung des Buches, das Fuck Me, das Sich-Neben-Die-Ordnung-Stellen weckt immer Skepsis in mir. Ich frage mich immer, warum kann der- oder diejenige das so hart behaupten? Warum ist er oder sie nicht in diesem wahnsinnigen Verwertungskreislauf gefangen? Und leider Gottes ist es wahnsinnig oft so, dass das eben die gutsituierten Kindern sind. Marx hatte seinen Engels, der ihm die Scheinchen zugesteckt hat, Walter Benjamin stammt aus einer „guten Familie“, die ganze Frankfurter Schule waren alles „bessere Kinder“. Im Musikerumfeld ist es nicht anders, die ganzen Bohèmen genauso: du brauchst die finanziellen Mittel, um überhaupt auf die utopischen Auswege zu kommen. Ich habe grundsätzlich Sympathie dafür, aber vor dieser Frage gehen alle in die Knie.

Aus welchem familiären Background kommst Du eigentlich?

Spechtl: Ich bin zwar kein „Arbeiterkind“, aber mein Vater ist semi-erfolgreicher Künstler, meine Mutter Lebenskünstlerin – finanziell ging sich da also nie viel aus…

Aber Du kommst vom Land?

Spechtl: Meine Eltern sind zwar beides Wiener, sind aber ins Burgenland gezogen als sie Kinder bekommen haben, nur um sich dann gleich scheiden zu lassen. Ich hatte eher diffuse Familienverhältnisse, wurde von meiner alleinerziehenden Mutter oder eben den Großeltern aufgezogen.

Seit unserem letzten Interview zu Beginn des Jahres hat sich politisch einiges verändert, zugespitzt. Die Krise des Kapitalismus verschärft sich, in Spanien und Griechenland geht die Jugend auf die Straße, um zu demonstrieren. Kommt das herrschende System zu einem Ende oder bleibt es doch nur wie ‘68 bei einem kurzen Aufschrei der Jugend?

Spechtl: Ich stelle mir 68 wilder und kompromissloser vor – wobei ich das sicherlich auch verkläre. Schau nach Spanien, worum es der „Bewegung der Empörten“ eigentlich geht: sie wollen einen Teil vom Kuchen, ohne dass sie das System derart in Frage stellen wie es noch die 68er getan haben. Spanien ist doch ein Schrei nach einer menschlicheren Ausbeutung!

Du meinst, als ob sie sagen würden: „Wir haben alles getan, um fürs System nutzbar zu sein – und jetzt wollt ihr uns nicht nutzen?!“

Spechtl: Genau: „Jetzt habt’s ihr mich zugerichtet! Ich bin das Werkzeug, als das ihr mich haben wollt und jetzt gibt es keine Schraube mehr für mich, die ich drehen darf, um entlohnt zu werden“. In Griechenland war es dagegen gleich von Anfang an – egal wie man dazu jetzt steht – gewalttätiger, oppositioneller. Ich hatte dort mehr das Gefühl, dass es zwei Fronten gab.
In letzter Zeit habe ich mir auch einige Polit-Talkshows angesehen, woran man wirklich verzweifeln kann. Alles ist so sinnlos, alles dreht sich im Kreis. Es wird eine Strategie gesucht, wie „gerettet“ werden kann. Aber ich will ja gar nicht, dass gerettet wird, ich will ja, dass es untergeht! So eine Meinung kommt natürlich gar nicht vor.
Meine Furcht ist, dass die Krise unserer Zeit, die materielle und finanzielle Sorge, in eine andere Richtung losgeht, in den Totalitarismus, faschistische Tendenzen, eine Aufgabe der Toleranz.
Wenn Du Dir die 30er Jahre anschaust, so etwas siehst Du jetzt auch wieder in Europa. Zwar ist es nun wieder mögliche, auch genuin linke Positionen im Medienmainstream zu vertreten und zu hören, aber andererseits schaut man Europa dabei zu, wie es immer rechter wird.
Ich weiß nicht, wie dieses System zu Ende gehen wird, aber ich bin so großer Pessimist, dass es auch „falsch“ zu Ende gehen kann – wenn ein Stein ins Rollen kommt, kann das auch schnell gehen. Ich habe das Gefühl, man sucht schon wieder nach einem „starken Mann“, weil sich niemand an ein Ende denken traut, weil niemand so weit gehen will, dass er sagt „unsere Weltordnung ist gescheitert“ – solange man noch „retten“ will, wird immer der Schrei nach eben einem Retter, einem Führer aufkommen.

Selbst bei Angela Merkel geht ja auch die vorgebliche „Alternativlosigkeit“ in diese Richtung, weil das eigentlich urdemokratische Prinzip der Diskussion und des Ideenwettstreits damit ausgehebelt wird.

Spechtl: Das ist die schrecklichste Form eines Positivismus. Diese Alternativlosigkeit ist sowas Dummes! Da werde ich zu einem Pessimisten, zu einem … weiter lesen

24.10.2011 von Christian Ihle
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Gallagherisms (11): Noel Gallagher über Auftritte in kleineren Clubs und Hallen

von Christian Ihle

Noel Gallagher im Rolling Stone, ob er als Solokünstler nun auch Auftritte in kleineren Veranstaltungsorten vorhat:

“I’ve been playing stadiums for the past 10 years. Only time I set foot in a theater is to go see a fucking play. No, I don’t want to see anybody’s face. No, fuck off. I don’t want anybody to fucking talk to me between the songs. I don’t want to fucking sign anything for anybody. I’m used to people being a mile away. That suits me. It’s more nerve-wracking playing in front of people who are two feet away from me.

People keep saying, ‘Oh, it’ll be great to get out of your comfort zone.’. It’s like, ‘Fuck you!’ Get out of your fucking comfort zone! It fucking took me 20 years to build a comfort zone. I have no fucking intention of stepping outside of mine. Not for no fucker. That’s fucking gone! Fucking comfort zone bastard. I’m in the process of building another one and believe me, I won’t be stepping outside of this one.”

Noel über:
- das Oasis-Album “Be Here Now”
- Oasis
- Jack White und Coca-Cola
- Al Quaeda ... weiter lesen

21.10.2011 von Christian Ihle
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Schmähkritik (450): Matt Bellamy (Muse) über Justin Bieber

von Christian Ihle

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21.10.2011 von Christian Ihle
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My Favourite Records mit S.C.U.M.

von Christian Ihle

Als wir vor zwei Jahren zum ersten Mal über S.C.U.M. stolperten, hielten wir sie noch für Noise-Wannabes, aber das in diesem Herbst veröffentlichte Debüt-Album war dann tatsächlich die Platte, die man sich von den Horrors statt “Skying” erwartet hätte.
Wie erwartet sind S.C.U.M. dankbare Abnehmer für My Favourite Records – Fragen und werfen mit Obskuritäten nur so um sich. Und wir feiern Premiere: die erste Puhdys-Nennung in der MFR-Geschichte!

* Your three favourite Punk singles/songs?

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** Suburban Lawns – Anything
** Big Black – Kerosene
** Puncture – Mucky Pup

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* A record that will make you dance?

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** The Politicians – The world we live in,
** Captain Beefheart – Dropout Boogie

* Your favourite song lyrics?

‘Free your mind and your ass will follow’ Funkadelic

* The best “new” artist / band right now? … weiter lesen

20.10.2011 von Christian Ihle
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Interview mit Ja, Panik (1): “Wenn ich zu Stefan Raab gehe und ihm dort auf seine blöde Ledercouch scheiße, ist das vielleicht subversiv, aber wir werden trotzdem mehr Platten verkaufen”

von Christian Ihle

Die Gruppe Ja, Panik hat das wohl beste, mit Sicherheit aber interessanteste Album des Jahres veröffentlicht. Die gebürtigen Österreicher und jetzigen Wahlberliner sehen die eigenen Befindlichkeiten im Gegensatz zu den meisten deutschsprachigen Indierockbands nicht als Herzstück ihrer Texte, sondern arbeiten sich auch an politischen Themen ab.

Mit dem neuen Album haben Ja, Panik eine etwas größere Bekanntheit erreicht und stehen nun vor der Frage, wie sie mit ihren eigenen Ansprüchen umgehen sollen. Kompromisse machen, um von noch mehr Menschen gehört zu werden? Oder sich lieber dem „Mainstream“ verschließen und nur zu den bereits Bekehrten predigen? Ist eine Teilnahme an einer Stefan-Raab-Sendung heutzutage ein Muss für eine Indieband – oder kann man auch ohne Raab ein Auskommen finden? Im Interview beschäftigt sich Ja, Panik -Sänger und -Songwriter Andreas Spechtl mit dieser Problematik und überlegt, welcher Weg der „richtige“ sein kann.

TAZ Popblog: Euer viertes Album DMD KIUweiter lesen