30.11.2011 von Christian Ihle
Als das renommierte US-Magazin SPIN in dieser Woche eine kleine Geschichte der Hip-Hop / Indierock – Kollaborationen veröffentlichte, hatte man mit vielen, aber nun wirklich nicht den Toten Hosen gerechnet. Aber tatsächlich erzählt SPIN im hübsch betitelten “Fear of a slack planet” – Feature seinen amerikanischen Lesern vom 1983er Hosen-”Selbstcover” ihres “Eisgekühlter Bommerlunder” mit Fab 5 Freddy namens “Hip Hop Bommi Bop” – merkt allerdings die politisch nicht ganz korrekte “blackface”-Gesichtsbemalung an:
1983: Fab 5 Freddy drinks with Die Toten Hosen
German drunkpunks Die Toten Hosen recorded a demented, sloptastic version of Teutonic drinking anthem “Eisgekühlter Bommerlunder” for a 7″ inch single. Later that year, they teamed with Fab 5 Freddy for a cheeky hip-hop version called “Hip Hop Bommi Bop.” It was a progressive collaboration by any measure, even if the video had the white band members decked out in blackface
(mit… weiter lesen
29.11.2011 von Christian Ihle

1. Der Film in einem Satz:
Ein Kampf der Kleinen wird zum Krieg der Großen in einem unterhaltsamen Vier-Personen-Theaterstück für die große Leinwand.
2. Darum geht‘s:
Zwei Elternpaare treffen sich, um schiedlich-friedlich eine Schlägerei ihrer beiden Söhne aus der Welt zu räumen. Die besten Absichten herrschen beim liberalen Opfer-Elternpaar Penelope (Jodie Foster) und Michael (John C Reilly) vor. Während die Mutter des Schlägersohns Nancy (Kate Winslet) sich bemüht, die Wogen zu glätten, glänzt Pharma-Anwalt und Vater Alan (Christoph Waltz) durch kaum verhohlendes Desinteresse sowie zynismusgetränkte Ehrlichkeit, die bei der politisch-korrekten Penelope natürlich einen dankbaren Addressaten findet. Nicht.
Kein Wunder, dass die besten Absichten, den Streit der Kinder beizulegen, in einem Krieg der Eltern münden.
Die folgenden 80 Minuten spielt sich dieses Vier-Personen-Stück nur in einer Wohnung ab – Polanski widersteht also allen Verlockungen, das zugrunde liegende Theaterstück für eine Filmumsetzung stark zu verändern.… weiter lesen
28.11.2011 von Christian Ihle
Die Stuttgart 21 – Entscheidung von gestern ist doch ein schöner Anlaß, Joachim Lottmanns Hass-Text über Wutbürger zu zitieren, der vor einiger Zeit im Rolling Stone erschienen war:
“Zum ersten Mal sehe ich sie selbst, die Wutbürger, (….) hier im Inneren des berühmten halb zerstörten Stuttgarter Bahnhofs, dessen Reste sie grimmig und mit erhobenen Nordic-Walking-Stöcken verteidigen. Diese alten, stolzen, rechthaberischen und ungeheuer wütenden Menschen, die den aufrechten Gang üben nach dem zweiten Schlaganfall, sind nun die Sieger der Geschichte. (…) Ein Heiligtum sollte geschleift werden! Ein Wahrzeichen der Stadt. Eine Erinnerung an die 30er-Jahre, als die Wutbürger noch jung waren und sich auf andere Weise abreagieren konnten.”
Weiter im Text geht es um die grüne Revolution, um Mülltrennung und das Ende der Atomkraft:
“Wer seinen Boden liebt, sein Vieh, sein eigenes Fleisch und Blut, der schließt sich der neuen Bewegung an. (…) Weil ich zugab, die in 20.000 Jahren sich auflösenden Brennstäbe unwichtig zu finden (…) kam sofort der Vorwurf, ich interessierte mich einzig für mein Leben und nicht für die Menschen, die in 20.000 Jahren lebten oder in 300.000 (die Berechnungen schwankten). Nun ist es klar, dass jemand, der heute über die Probleme der Menschen in tausend Generationen nachdenkt und über sie entscheiden will, in die Psychiatrie gehört.
Mich erinnert dieser Wirklichkeitsverlust an die Runenforscher, die allen Ernstes Theorien über die “Lichtmenschen” vor Zehntausenden von Jahren verfassten, wundervolle Arier, denen wir nacheifern sollten. (…) Also – man hat es bei der grünen Bewegung mit gefährlichen Idioten zu tun, die die realen Gefahren vernebeln. Das sind klassische Eskapisten. Die könnten auch alle LSD nehmen oder eine Wiedertäufer-Sekte bilden.”
(Autor Joachim Lottmann über “Die Grüne Revolution” im Rolling Stone)
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26.11.2011 von Christian Ihle
“Massiv teilt uns circa 15 Mal mit, dass er auf den Straßen Berlins angeschossen wurde. In diesem pseudodeepen Track spricht er noch seine Mama an und erzählt ihr mit Stilmitteln wie zum Beispiel Nuscheln oder Verhaspeln, wie er fast auf der Street verblutet wäre. Ehrlichen Respekt an den Interpreten an dieser Stelle für die Stärke, die er beweist, dieses auf einem Album namens “Eine Kugel reicht nicht” verarbeiten zu wollen. (…) Ich fasse mal zusammen: Massiv hat viele Waffen, die Geräusche machen, verkauft Drogen, wurde angeschossen, liebt seine Mama, wurde angeschossen und wurde angeschossen.
(…)
Unterm Strich quatschen mir alle Interpreten des Albums zu sehr die Amtssprache von Floskelland. Und da helfen auch die qualitativ hochwertigen Produktionen nichts. Das ist wie ein selbstgestrickter Pullover (oder in diesem Fall eine gefälschte Alpha-Jacke) zu Weihnachten in Goldpapier verpackt. Vielleicht gibt es Leute, die gefälschte Alpha-Jacken oder Goldpapier mögen. Die werden… weiter lesen
25.11.2011 von Christian Ihle

Vor ein paar Jahren tauchte ein Geschwisterpaar aus Bayern auf einmal aus dem Nichts auf und begeisterte mit ihrem rauhen, ungestümen White-Stripes-Sound, den man so hierzulande noch nicht gehört hatte. Ein paar Jahre später erscheint nun das neue Album “Walrus”, das von Hans Unstern und Dirk von Lowtzow (Tocotronic) produziert wurde.
Die Antworten geben Tanja Pippi (= T) und Angy Lord (= A):
* Die drei besten Punksongs/-singles?
1. Tocotronic – Alles was ich will ist, nichts mit euch zu tun habe
2. Bikini Kill – Suck my left one
3. Die Goldenen Zitronen – Menschen machen Fotos gegenseitig
* Ein Song, der Dich immer zum Tanzen bringt?
Aaron Carter – Crazy Little Party Girl
* Der beste Song der Gruppe Ja, Panik?
T: Schwierig. da gibt es viele… weiter lesen
24.11.2011 von Christian Ihle
Der wahrscheinlich langlebigste Bitchfight im amerikanischen Indierock geht in eine neue Runde. Nur weil Stephen Malkmus mit seiner Band Pavement in den Mitt90ern im Song “Range Life” (“Out on tour with the Smashing Pumpkins / Nature kids, I/they don’t have no function / I don’t understand what they mean / And I could really give a fuck”) die wohl eher nicht so geilen Erfahrungen einer gemeinsamen Tour besang, hegt der gute Billy einen Groll, der in Interviews immer wieder geradezu aus ihm heraus bricht. So auch hier im Gespräch mit Fabian Soethof von der Teleschau, als Corgan geradezu darauf besteht, Malkmus noch beleidigen zu dürfen:
Stephen Malkmus sagte neulich, man könne grundsätzlich jedes Album vergessen, das eine Band nach ihrer Reunion herausbringt, weil sie nie mehr so gut wie früher klängen. Hat er recht?
Billy Corgan: Er sagt das, weil seine Band nicht imstande
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23.11.2011 von Christian Ihle

Die Brüder Gallagher waren Mitte der 90er-Jahre für die aufregendste Musik des Planeten verantwortlich und schon damals selten einer Meinung. Nach der schmutzigen Trennung von Oasis haben sie sich noch weiter auseinanderentwickelt – nicht nur optisch.
Wo Noel immer noch die Frisur eines Playmobilmännchens aufträgt, orientiert sich Liam an einem Irish Setter (Noel dazu: „Ob Liam durchgeknallt ist? Natürlich. Schau dir seine Frisur an.“). Während Liam dem Oasis-Debütalbum von 1994 nachtrauert und mit seiner neuen Band Beady Eye versucht, den wilden Rock ’n’ Roll seiner Jugend zu kopieren, klingt Noel Gallaghers neue Platte (veröffentlicht unter dem Namen „Noel Gallagher’s High Flying Birds“) mehr wie die späten Oasis. Das Einzige, was beide derzeit noch zu verbinden scheint, ist ihre Fußball- Liebe zu Manchester City – und dass sich beide nicht leiden können.
Während Noel, der große Aphoristiker der britischen Popkultur, eher feine… weiter lesen
22.11.2011 von Christian Ihle
John Peel war die große Legende unter den Radiomoderatoren und für die musikalische Erziehung von mehr als einer Generation verantwortlich. Neben seinen regulären Sendungen waren immer die Festive Top 50, die Peel-Jahrescharts zu Weihnachten, mit besonderer Spannung erwartet worden.
Nun hat jemand YouTube und die Peel Festive Top 50 zusammengezählt und als Ergebnis den Peel Player erhalten, womit alle Musiknerds und -archäologen nun ihre komplette Freizeit bis Weihnachten gefüllt haben dürften, um Kleinode wie zum Beispiel Male Nurses “My Own Private Patrick Swayze” zu entdecken, einer mir unbekannten, fallesquen “Hymne” auf den Dirty Dancing – Star, die bei Peels Festive Top 50 den 32. Platz im Jahr 1998 belegt hatte.
Und so geht es dank der Shuffle-Funktion des Peelplayers durch die Jahre, von Ashs “Kung Fu” (Platz 6, 1995) über den Postpunk der Mo-Dettes “White Mice” (Platz 56, 1980) zur Undertones-Nachfolgeband That Petrol Emotions “Big Decision” (Nummer 4, 1987).
Das beste Internetding seit geschnittenem Brot.
Der Peelplayer
Hier übrigens (via Indiepedia) die Jahressieger in den Festive Top 50:
1976 Led Zeppelin – “Stairway to Heaven”
1977 The Motors – “Dancing the Night away”
1978 Sex Pistols – “Anarchy in the UK” … weiter lesen
21.11.2011 von Christian Ihle
In einer Rückschau auf die verschiedenen Sidekicks von Harald Schmidt (Feuerstein, Andrack, Pocher) urteilt Oliver Jungen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über die Episode der Schmidt & Pocher – Show wie folgt:
“Dass Schmidts anschließendes Experiment mit Oliver Pocher schief ging, hatte gleich zwei Gründe: Ungünstig war schon die Ausgangsidee (…), denn formal war Pocher gleichberechtigt. Das ignorierte Schmidt jedoch großzügig. Allerdings unkte sein Kompagnon auf so schlichtem Niveau herum, dass er nicht einmal für die Rolle des gedemütigten Dritten taugte: zu dumm zum Rauschen.
Für alle, die die Andrack-Phase kannten, wirkte es, als hätte man nach dem Tod eines Wellensittichs dem überlebenden Partner ein Plastikexemplar in den Käfig gesetzt.”
Mehr Schmähkritiken über (Schmidt &) Pocher:
* Schmähkritik Nr. 13
* Schmähkritik Nr. 15
* Schmähkritik Nr. 38
* Schmähkritik Nr. 49
* Schmähkritik Nr. 178
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19.11.2011 von Christian Ihle

(Der ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen, Reinhard Bütikofer, bei Twitter über Ex-Außenminister und Parteigenosse Joschka Fischer)