Archive for the ‘Allgemein’ Category

27.04.2012 von Wolfgang Koch
blogavatar

ALS VON ZWEIEN EINMAL BEIDE IN DER MITTE SCHLAFEN WOLLTEN

von Wolfgang Koch

Ein 1937 aufgezeichnetes Märchen der Alten Khmer überliefert dies:

 

Es waren einmal zwei Reisende, deren Weg durch den finsteren Dschungel führte. Als sie müde wurden, suchten sie eine Stelle zum Ruhen, und als der Platz gefunden ward, wollte jeder der beiden in der Mitte schlafen. Da das zu Zweit natürlich schwer geht, rangen sie um eine Lösung. »Wir werden uns gegenseitig mit unseren Füssen stützen«, sagten sie schließlich, legten sich hin und stemmten die Fußflächen gegeneinander.

 

Später, in finsterer Nacht, kam der Tiger. Als der die beiden in Decken eingerollten Körper Fuß gegen Fuß liegen sah, wusste er mit dieser Beute nichts anzufangen. Da er so ein Tier noch nie gesehen hatte, fraß er es vorsichtshalber nicht.

 

ooooOOOOOoooooooOOOOOoooo

 

ICH: Man möchte am liebsten die Gestaltlehre begründen, wenn es nicht schon eine gäbe. Im Buddha-Kosmos kommt mir zu der Geschichte das Herz-Sutra in den Sinn.… weiter lesen

26.04.2012 von Wolfgang Koch
blogavatar

ALS GLÜCK UND UNGLÜCK EINMAL UNERWARTET ZUSAMMENTRAFEN

von Wolfgang Koch

Ein altes Khmer-Märchen beginnt so:

 

Als der Zufall einmal wollte, dass Glück und Unglück persönlich aufeinandertrafen, da fragte Unglück wie aus der Pistole geschossen: »Na, hallo, mein Glück, worin besteht denn eigentlich Eure legendäre Macht, die alle Welt so sehnlich erhofft?«»Meine Macht«, sagte Glück, »ist das Glück selbst. Ich bin in der Lage, jemanden, der vollkommen verachtet und mitleidlos behandelt wird, in jemanden zu verwandeln, den man liebt, wenn ich in seine Nähe komme«.

 

Einen Augenblick herrschte Stille zwischen den beiden.

 

Dann fragte Glück zurück: »Und wie, o Unglück, steht es um Eure Macht?« Unglück erwiderte: »Ich muss nur in die Nähe von jemanden kommen, und sofort wird er verachtet und schlecht behandelt. Selbst ein König fällt so tief, dass er zum Sklaven wird«.

 

Ohne Frage konnten die beiden Kontrahenten im weiteren Verlauf der Begegnung ausreichend Fallbeispiele für ihre Theorien nennen. Höhenflüge und Unheilstürzeweiter lesen

25.04.2012 von Wolfgang Koch
blogavatar

DIE BUDDHISTISCHE AUSKUNFT NACH DEM RICHTUNG WEG

von Wolfgang Koch

Im indischen Bodha-Gaya, dem Ort, an dem der Buddha Erleuchtung gefunden hat, erzählt man sich folgende Geschichte:

 

Ein Brahmane stellte dem großen Meditierenden die Frage, wie es denn komme, dass zwar viele Menschen seine Lehre hörten, aber nur die wenigsten danach lebten. Die ironische Spitze gegen eine endlose Hinwendung nach Innen war nicht zu überhören. Auf die provokante Frage soll der gütige Shākyamuni dem Brahmanen geantwortet habe: »Du lebst doch in diesem Haus da an der großen Straßenkreuzung in Bodha-Gaya, nicht wahrr? Willst du uns ernsthaft erzählen, dass jeder, der sich bei dir nach dem Weg nach Rajagriha erkundigt, auch wirklich dorthin will?«

 

oo-ooOOOoo-oo

 

Was erkennen Sie aus dieser Geschichte, fragte mich meine Lehrerin.

 

»Sie missfällt mir«, antwortete ich, seitwärts sitzend, »weil wieder mal ein Brahmane der dumme August ist. Mich erinnert diese buddhistische Hochnäsigkeit gegenüber dem Hinduismus immer an die eingefleischten Vorurteile der Christen… weiter lesen

24.04.2012 von Wolfgang Koch
blogavatar

VON EINEM MANN MIT VIER KINDERN, DIE STUDIERTEN

von Wolfgang Koch

Ein vom Buddhistischen Institut in Phmom-Penh aufgezeichnetes altes Volksmärchen:

 

Es lebte einmal ein Mann, der hatte vier Kinder, und jedes sollte eine andere Kunst studieren: das erste der Kinder, richtig zu Essen. Das zweite die Kunst des Schlafens. Das dritte, die Wahrheit in verzwickten Lagen zu erkennen. Die vierte Nachkommenschaft aber sollte die Kunst der Verführung beherrschen.

 

Dieses vierte Kind war ein Sohn, und ihm gelang es mit einer List eine schöne Witwe, die vollkommen in die Totenklage um ihren verstorbenen Gatten versunken war, für sich zu gewinnen. Der Verführer verkleidete sich selbst als todbetrübter Witwer und brachte die Urne mit den angeblichen Gebeinen seiner verstorbenen Frau ins Spiel, indem er nach einer anteilnehmenden Nachtwache am Leichnam des Verstorbenen geschickt und erfolgreich behauptete, der tote Gatte der Witwe habe ihm im Totenreich seine eigene tote Gemahlin abspenstig gemacht.

 

ooooOOOOOoooOOOOOoooo

 

Ach, Gottchen, dachte ich, was ist denn das… weiter lesen

23.04.2012 von Wolfgang Koch
blogavatar

WARUM DER BUDDHA KEIN BUDDHIST WAR

von Wolfgang Koch

Von dem Meditierenden Max Glashoff, Präsident der Dachgesellschaft deutscher Buddhisten 1960-84, stammt der bemerkenswerte Ausspruch: »Nach langer Beschäftigung mit der Lehre des Buddha bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass ich kein Buddhist bin! Ich habe mir die Empfehlungen des Erleuchteten zur Richtschnur für mein Dasein genommen, um dem selbst geschaffenen Leiden möglichst ein Ende zu bereiten«.

 

oooooOOOOOoooooo

 

Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Da wollte einer Buddhist sein, weil er es nicht war, oder umgekehrt, er wollte Nichtbuddhist oder Unbuddhist sein, weil er Buddhist war. So etwas konnte nur Zen-Praktikern einfallen.

 

Meine Lehrerin dachte nach, nahm einen Schluck aus der Teetasse. Dann wandte sie sich an mich:

 

»In den Fragen des richtigen Weges regiert in Europa der heilige Ernst. Für Asiaten ist dieser ganze Bekenntnisfimmel – ich bin dies, ich bin das, und das da bin ich sicher nicht! – nur der… weiter lesen

22.04.2012 von Wolfgang Koch
blogavatar

WANN MAN SPRECHEN UND WANN MAN SCHWEIGEN SOLL

von Wolfgang Koch

Eine alte Sufi-Tradition rät uns, nur zu sprechen, wenn es die Worte geschafft haben, vier Tore zu passieren. Am ersten Tor fragen wir uns: »Sind diese Worte wahr?« Wenn ja, dann lassen wir sie weiterziehen, falls nicht, wandern sie dorthin zurück, wo sie herkamen. Am zweiten Tor fragen wir: »Sind sie notwendig?«, am dritten Tor »Sind sie nützlich?«, und am vierten Tor schließlich: »Sind sie freundlich?« Lautet die Antwort irgendwo auf dieser Strecke nein, so soll das, was wir sagen wollen, ungesagt bleiben.

 

oooOOOoooOOOooo

 

Was sagt Ihnen das, wollte meine Lehrerin wissen?

 

»Erinnert mich an die bekannte Zen-Faustregel, dass man erst antworten soll, wenn man dreimal gefragt worden ist. Eine harte Nuss für Lehrer und für alle, die uns dringend etwas mitzuteilen haben, oder?«

 

LEHRERIN: Jedenfalls keine Pädagogik, die uns ihr Wissen mit Supermarktmethoden aufdrängt. Auch der Heilige Peregrinus, der Schutzheilige der Krebskranken, wurde dreimal… weiter lesen

26.03.2012 von Wolfgang Koch
blogavatar

WIENER SPÖ DEBATTIERT KENNZEICHNUNGSPFLICHT FÜR RADFAHRER

von Wolfgang Koch

Am letzten Wochenende tagte der SPÖ Brigittenau, die das prozentuell beste Stimmergebnis bei den letzen Gemeinderatswahlen eingefahren hat. Zwischen zwei ausgiebigen Mahlzeiten, der Totenehrung und dem »Lied der Arbeit«, lauschten vorwiegend Senioren den Ausführungen des Bundesministers Rudi Hundstorfer und Stadträtin Sonja Wehsely zur Schuldenexplosion im Staats- und Gesundheitshaushalt.
Hundstorfer, der wegen seines legeren Auftretens als Linksaußen des Kabinetts gilt, machte die Invaliditätspensionisten zum Sündenbock der leeren Kassen. Bereits ein Drittel der Neuanträge bei den Pensionen fallen aktuell in diesen Bereich; in 80 Prozent der Fälle wird von den Antragstellern psychische Arbeitsunfähigkeit geltend gemacht.
Die durchschnittliche Bezieherin einer Invaliditätspension, so Hundstorfer, erhalte in Österreich momentan 14 Mal 595,- Euro im Jahr – das sei »programmierte Armut« und somit schlichtweg skandalös. Auf die Idee, dass dieser Hungerleider-Betrag für invalide Pensionsbezieher erhöht werden müsste, kam der Arbeits- und Sozialminister allerdings nicht. Im Gegenteil: Die Regierung verschärft erneut den Zugang zu dieser… weiter lesen

16.02.2012 von Wolfgang Koch
blogavatar

EINE ROSE FÜR CHRISTIAN IDE HINTZE

von Wolfgang Koch

Ein Geisteskrankheit hat unsere Welt befallen: die Herrschaft der bunten Gratisnichtigkeiten, aufgestapelt in jeder U-Bahn-Station, ausgehängt auf der Straße zur freien Entnahme an Sonn- und Feiertagen, stündlich, ja minütlich online aktualisiert, … und man muss sich erst stundenlang müde laufen, um noch geheimnisvolle Namen auf den Straßenschildern Wiens zu entdecken.

 

Diesen historischen Tiefstand des Humors und der Fantasie, diese Färbung und Formung der Welt mit geräuschvollen Sendungen von Nichts immer schwerer an seiner Schreibtischkante ertragend verstarb letzte Woche der österreichische Lyriker und Begründer der ersten europäischen Poetenschule Christian Ide Hintze im 59. Lebensjahr.

 

Als mir Ide zum ersten Mal begegnete, überrasche er mich mit dem ehrlichen Wunsch, die Sätze eines seiner Manuskripte verbessert sehen zu wollen. Das war in der linksintellektuellen Redaktion, der ich Ende der 1980er-Jahre angehörte, alles andere als selbstverständlich. Jeder noch so kleine Autor und jede noch so kleine Autorin der Wochenzeitschrift Falter schien die… weiter lesen

14.02.2012 von Wolfgang Koch
blogavatar

AUFRUF ZUR GRÜNDUNG DER MAOISTISCHEN TIBETISCHEN PARTEI

von Wolfgang Koch

Arbeiter/innen, Mönche und Jugendliche!

 

Alle, die ihr nur eure Arbeitskraft besitzt, welche ihr täglich an die Welt verkaufen müsst, vereinigt euch zur Gründung einer marxistisch-leninistisch-maoistischen Kommunistischen Partei Tibets (MLM-KPT). Nur mit ihr als Hammer und Spaten werden die tibetischen Volksmassen ihre Interessen konsequent durchsetzen und den Sieg über die sinokapitalistische Ausbeuterordnung erringen können!

 

Die Weltwirtschaftskrise führt in besonderem Maße zur Verschärfung der Lage in Tibet, denn die Ausbeuter leben nur vom Profit, den sie aus der Mehrhändigkeit der Werktätigen, Bauern und Hirten herauspressen. Die Volksrepublik China sieht sich gezwungen, immer weitere Programme zur Arbeitsverdichtung einzuführen, verteilt die vorhandene Arbeit auf immer weniger Sklavenköpfe und holt sich einen Großteil unserer Brosamen wieder durch Steuererhöhungen und Preissteigerungen zurück.

 

Immer mehr Profit soll unsere Arbeit für die Ungeheuer der Unternehmen und Maschinen abwerfen, immer öfter reicht unser Lohn jedoch nicht mal mehr für die Heizung, Schulbedarf und Buttertee… Jede politische Entscheidung… weiter lesen

09.02.2012 von Wolfgang Koch
blogavatar

EIN AUFSCHREI GEGEN DIE NEOLIBERALE STADT (6)

von Wolfgang Koch

Die Aufgabe ist brutal groß: in dieser behäbigen Stadt des Weltkulturerbes und der Kebabstände, der Ballfröhlichkeit und der Notschlafstellen, der Holocaustleugner und der Szenefriseure Institutionen und zugleich die Ideologie, auf die sie sich gründen, radikal umzustülpen.

 

Die Pensionisten wollen die SPÖ haben, wie sie ist: ohne die Gewalt der Vernunft, die die Arbeiterinnenbewegung in den Kämpfen der 1920er-Jahre für sich reklamieren konnte. Die Masse der heutigen Alten und der Zuwanderer wollen die SPÖ, wie sie ist, um ihren Anteil am Wohlstand zu sichern, um Großgeräte in Spitälern anzuschaffen, die Pflichtschule abzuschließen, den TV-Müll störungsfrei im Möbelhaussofa konsumieren zu können.

 

Es sind diese Verfinsterungen des Politischen durch die Schwerkraft der Verhältnisse, die einen Intellektuellen des Unterproletariats wie Robert Sommer nach dem Einverständnis mit der Revolte rufen lassen. Die SPÖ wird heute regiert von Gestalten, die keinen Zweifel kennen über die Art, wie man Mensch ist, wie man ein menschliches… weiter lesen