03.02.2010
von Christian Ihle
Am heutigen Mittwochabend startet im Ramones-Museum zu Berlin eine Punkfilmreihe. Jeden ersten Mittwoch im Monat wird ein Punkfilm aufgeführt werden und freundlicherweise sagt das Ramones-Museum dafür nicht einmal “hastemanemark?” sondern gibt den Eintritt frei.
Kuratiert wird die allmonatliche Punkreihe von Jörn Morisse. Da gleich drei Popblog-Reizworte hier fallen (Punk! Film! Kostenlos!), lag natürlich nahe, dass wir uns mit dem Kurator über Inhalt und Intention unterhalten:
Jörn, Du hast Aaron Cometbus Punknovelle “Double Duce” auf deutsch übersetzt, gemeinsam mit Rasmus Engler von Bierbeben und Herrenmagazin das Buch “Wovon lebst du eigentlich?” geschrieben und kuratierst nun die Punkfilmreihe im Ramones-Museum – wie kam es denn zu letzterem?
Jörn Morisse: Im Rahmen der ganzen “American Hardcore”-Diskussion vor ein paar Jahren ist mir aufgefallen, wie in der filmischen Rückschau eine Szene gerne als Einheit und zwangsläufiges musikhistorisches Ereignis inszeniert wird, ein Kanon gebildet wird, ohne Haltung zu vermitteln oder große Irritationen aufkommen zu lassen. Höchstens über das, was nicht gezeigt wird. Im Unterschied zu Dokumentarfilmen wie “The Decline of Western Civilization” oder “Another State of Mind” aus den Achtzigern, wo die Kraft aus der unmittelbaren Zeitgenossenschaft kommt, weil sich die Filmemacher und die Protagonisten vor der Kamera angreifbar machen. …>
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12.09.2009
von Christian Ihle
Popblog: Ihr seid ja bekannt dafür, die größten Oasis-Fans Deutschlands zu sein. Kannst Du dich noch an deine erste Oasis-Begegnung erinnern?
Rainer Marschel (Atomic): Das werden wir niemals vergessen. Das war der größte Oasis-Flash meines Lebens neben dem ersten Hören von „(What´s the story) Morning Glory“ (wonach wir erst einmal eine Stunde lang durchatmen mussten weil wir es nicht glauben konnten, dass uns diese Songs so bewegen und berühren).
Es war beim MTV Coca Cola Report im August 1994. Dort wurde ein Interview mit Noel und Konzerteinblenden der US Tour mit “I am the Walrus” und danach das “Live Forever” – Video ausgestrahlt. Danach war klar, dass diese Band unser Leben und Einstellung verändern wird! Wir waren wie gelähmt, weil wir mit den damals aktuellen Bands so überhaupt nichts anfangen konnten. Alle haben zu dieser Zeit Nirvana, Metallica, R.E.M., Guns´n´ Roses gehört… wir haben das alles ignoriert und waren nur für die Kinks, Beatles, Stones offen, was damals extrem uncool in der Schule und bei unseren Freunden war. Wir wurden dafür eigentlich immer belächelt – aber dann sagte Noel in diesem MTV-Bericht, dass sie die neuen Kinks, Beatles, Stones, Who und Sex Pistols in einem sind und wir dachten: Oasis hat uns der Himmel geschickt!
Ich weiss es heute noch, als ich ans Telefon gerannt bin und völlig ausser Atem meinem Bruder mitteilte „ich habe eine band gefunden mit der wir uns mehr als nur identifzieren können, du wirst es nicht glauben, komm sofort heim, ich habs auf Video aufgenommen, du musst das jetzt sofort sehen.”
Ich glaube danach haben wir dann diese 10 minuten wochenlang Tag und Nacht geschaut.

(v.l.n.r.: Becks, Oasis, Atomic)
Popblog: Denkst Du der Split ist diesmal wirklich endgültig? …>
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31.07.2009
von Christian Ihle
Nächstes Wochenende findet – zum ersten Mal im Flughafen Tempelhof – das Berlin Festival statt. Besonders hoch anzurechnen ist den Machern des Berlin Festivals jedes Jahr aufs neue, dass sie etwas von den üblichen Headlinern der anderen deutschen Festivals abweichen und ein besonderes Faible auch gerade für britsche Helden zu haben scheinen. In diesem Jahr wird für das Popblog mit Jarvis Cocker und Pete Doherty sozusagen das Traum-Lineup diesseits von Blur aufgefahren. Grund genug mit den beiden Machern Hilary Kavanagh und Conny Opper ein Gespräch zu führen.

Ihr geht jetzt in die 4. Auflage Berlin-Festival – letztes Jahr hat das Festival nicht stattgefunden, warum eigentlich?
Conny: 2007 sind wir in das alte Poststadion am Hauptbahnhof umgezogen, nachdem wir die ersten beiden Jahre außerhalb von Berlin noch waren – und haben gemerkt, ins Herzen von Berlin gehört auch das Berlin Festival. Letztes Jahr hatten wir einmal Probleme mit der Location von 2007 und einer unserer Partner ist ausgestiegen. Dass wir nun Tempelhof als neue Stätte und mit dem Intro und dem Melt-Festival zwei neue Partner gefunden haben, wollen wir so richtig durchstarten.

Im 4. Jahr ist bereits der 3. Umzug zu verzeichnen. Ihr scheint lange nach dem perfekten Ort gesucht zu haben – ist der nun mit dem Flughafen Tempelhof gefunden?
Conny: Ja, das mit dem ständigen Umziehen ist eben fast so wie mit den Clubs in Berlin, die sind ja auch nicht lange an einem Punkt… Aber mit dem Flughafen Tempelhof haben wir einen Ort gefunden, zwar recht groß ist, aber unglaubliches Potential hat. …>
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26.01.2009
von Christian Ihle
Heinz Strunk veröffentlicht dieser Tage “Fleckenteufel”, das dritte Buch und nur wenige Wochen, nachdem “Die Zunge Europas” das Licht der Welt erblickt hat. Wie viel Kalkül dahinter steckt, ist schwer abzuschätzen. Heinz Strunk will eben, das hat er früher schon gesagt, endlich mal “richtig abmelken”. Ein legitimes Ziel, vor allem bei einem solchen unverwechselbaren Humor. Die Romanfiguren Strunks sind verzweifelte Charaktere mit dem Hang zu schwerer Melancholie und einem beißenden Spott. Sie sind neidgeplagte Figürchen, die an der Welt kranken. Eine unsichtbare Grenze trennt sie von den Reichen und Schönen, den Glücklichen und Zufriedenen. Das besondere an Heinz Strunks Protagonisten: sie nehmen sich selbst nicht aus der Schusslinie. Gerade deshalb verdient Strunk mehr Beachtung, als ihm momentan zuteil wird. Welche Rolle spielt da schon ein öder Marketing-Trick…?
Popblog: “Fleckenteufel” und “Feuchtgebiete” werden gern in Verbindung gebracht. Nervt dich das?
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09.01.2009
von Christian Ihle
Mit allerhand Verspätung kommt die Hoffnung Schottlands nun auch in Deutschland an. Anfang September 2008 wurde das Debüt der Band Glasvegas in England veröffentlicht. Und bereits im Dezember folgte die EP “A Snowflake Fell” – und immernoch rührte sich in Deutschland niemand. Dabei haben die Schotten alles, was es braucht, um mal wieder eine Lawine loszutreten: die Haartollen zur Rockabilly-Frisur aufgetürmt, wabernden Nebel auf der Bühne, einen zur Ikone taugenden Frontmann und eine zwischen The Jesus And Mary Chain und My Bloody Valentine brachial hin- und herpendelnde Soundkulisse.

(Interview mit Paul Donoghue, zweiter von links)
Der NME war natürlich wieder flugs aus dem Häuschen, sprach gleich von der wichtigsten Band des neuen Jahrtausends und Creation Boss Alan McGee wurde nicht müde zu erwähnen, wie stolz er auf “seine” Entdeckung sei. Ist da Skepsis angebracht? Zu oft hatte man es seit der “MySpace-Entdeckung” Arctic Monkeys erlebt, dass Bands noch vor der ersten Veröffentlichung bereits als Gralsbringer bezeichnet wurden – und nach dem Debüt in der Versenkung verschwanden. Dahin gehören Glasvegas allerdings nicht. Auf ihrer ersten Tour durch Deutschland im Winter 2008 macht Bassist Paul Donoghue klar, dass Glasvegas einen großen Entwurf haben – und dass der nur einem Menschen zuzuschreiben ist: ihrem Frontmann James Allan.
Popblog: Welche Rolle spielt James Allan bei Glasvegas? …>
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