Posts Tagged ‘Pete Doherty’

13.04.2011 von Christian Ihle
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Days of being sober. Pete Doherty in Berlin.

von Christian Ihle

Nachdem der Ex-Libertine und Teilzeitbabyshamble Pete Doherty die letzten Wochen in Regensburg verbracht hat, um dort an den Aufnahmen für sein Spielfilm-Debüt an der Seite von Charlotte Gainsbourg und August Diehl zu arbeiten, ist er diese Woche wieder in seiner Rolle als Solokünstler mit Akustikgitarre unterwegs. A propos Gitarre! mag der boulevarderfahrene Popblogleser denken und sich sofort an den Zwischenfall während der Regensburg-Dreharbeiten zurückerinnern, als Doherty von Kollege August Diehl bei einer nächtlichen Sauftour angestiftet wurde, ein Schaufenster zu zerschlagen und eine Gitarre zu klauen (rechtlicher Hinweis: Scherz. Natürlich hat Diehl nicht den Doherty angestiftet, offiziell waren beide nur “dabei” und ein ominöser Dritter hat den eigentlichen Raub vollzogen) – das klingt natürlich wie eine Bestätigung aller Doherty-Vorurteile und lässt keineswegs einen nüchternen, pünktlichen, professionellen Pete auf der Bühne erwarten.

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Und doch kommt Doherty kurz nach 22 Uhr auf die Bühne, wie immer in den drogenabstinenteren Zeiten mit dem einen oder anderen Pfündchen mehr auf den Rippen und stimmt gut gelaunt seine Solo-Single “Last Of The English Roses” vor einem überraschend enthusiastischen und wohlwollenden Publikum im Berliner Postbahnhof an. Scheinbar hat das Abebben des Hütchenträgerhypes in der Post-Kate-Moss-Zeit den Vorteil, dass die wildesten Hipster zuhause bleiben und auch die Junkietrainspotter das Interesse verloren haben. Es bleibt bei der alten Regel, dass Hypereduktion ein Absinken der Arschlochdichte im Publikum nach sich zieht. … weiter lesen

30.08.2010 von Christian Ihle
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What Became Of The Likely Lads? Bericht aus den Frontreihen der Libertines-Reunion-Gigs

von Christian Ihle
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Let’s say goodbye with a smile, dear,
Just for a while, dear, we must part.
Don’t let the parting upset you,
I’ll not forget you, sweetheart.

We’ll meet again, don’t know where, don’t know when,
But I know we’ll meet again, some sunny day.
Keep smiling through, just like you always do,
‘Til the blue skies drive the dark clouds far away.

Libertines

Als ich 2002 oder 2003 die Libertines das erste Mal in Originalbesetzung sah, wusste ich noch nicht, dass es auch das eigentlich letzte Mal sein würde. Aber auch so hatte der damalige Gig eine Bedeutung wie kein zweiter, hatte ich noch nie zuvor (und leider auch nie mehr danach) soviel Mensch gewordene Energie gesehen, ein so raues, pures, wildes, energetisches Spiel. Selbst wenn die Libertines damals zwei Stunden zu spät auf die Bühne kamen und nur etwas über eine halbe Stunde spielten, war das Erlebnis dermaßen überwältigend, dass ich – als mit 77s-Punkrock sozialisierter Indiejunge – das Gefühl bekam, dass sich so womöglich damals die Punk-Gigs angefühlt haben mögen, die ersten Auftritte von The Clash, der Pistols, der Ramones.

Die Band erst nach acht langen Jahre später wieder zu sehen ist unter diesen Voraussetzungen natürlich durchaus schwierig. Und um es vorwegzunehmen: nein, es ist nicht mehr das Gleiche. Barat und Doherty sind acht Jahre älter geworden, all ihre Geschichte hat Spuren hinterlassen. Die in den Himmel reichenden, unmöglich zu erfüllenden Erwartungen schienen ihnen schwer auf den Schultern zu liegen, beinah eine gewisse Schüchternheit durchzuschimmern. Auf der anderen Seite hat die Band selten tighter, konsequenter geklungen, musikalisch sicherlich um ein vielfaches versierter als in den frühen Jahren. Pete strahlt zwar nur noch selten jenes unwerfende Charisma aus, das uns Dohertyans ihm immer all den Scheiß hat verzeihen lassen, aber dafür sieht er so gesund und sauber aus wie seit vielen Jahren nicht mehr.

But I know that we’ll meet again…

Der erste Auftritt der Libertines, eine Art „secret gig“, findet in der wunderschönen 2000-Mann-Location „Forum“ in Kentish Town, London, statt. Einige Verrenkungen waren nötig um sich letztendlich doch Zutritt zu verschaffen, aber, oh Boy, hat sich das gelohnt! Dank einer äußerst strikten Kartenvergabe-Politik (das … weiter lesen

10.03.2010 von Christian Ihle
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Schmähkritik (308): Delphic

von Christian Ihle

“Früher waren viele Dinge längst nicht so egal, wie es mir das Debütalbum von Delphic ist. Das sind sicher drei nette Jungs aus Manchester. Ich müsste mich schon sehr täuschen, wenn man sie persönlich mehr hassen könnte als ihr Werk “Acolyte”, das man am besten als Coffee-Table-Rave-Pop beschriebe oder als Indierock für Leute, die den gar nicht mögen (und den Verkaufszahlen zuliebe auch für solche, die ihn mögen, ja, die sich nicht mal schämen, Tomte gut zu finden, gell, Linus?).
(…)
Delphic sind junge Menschen, die Geschmack und Disziplin beweisen. Auf “Acolyte” sitzt alles ganz fest in Perfektion und Mittelmaß – und gerade weil Delphic niemanden stören, bedienen sie mit ihrer Angepasstheit alle möglichen Bedürfnisse, ohne ihre eigenen kenntlich zu machen. Der ideale Sound für Diplomaten. Wenn ich das höre, erscheint mir Pete Doherty über alles sympathisch. Der weiß, was man macht, wenn einen die eigene Bedeutungslosigkeit nervt: eine aufregende Cover-Version. Am besten live im Bayrischen Rundfunk.”

(Wolfgang Frömberg im Intro über das Debütalbum von Delphic)
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27.12.2009 von Christian Ihle
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Die zehn besten Alben 2009

von Christian Ihle

10. Peter Doherty: “Grace/Wastelands” (Indiepedia)



Der erste Eindruck war zwiespältig und die Gorillaz-on-H-Hymne “Last Of The English Roses” tat auch nicht viel, um ihn zu zerstreuen. Nein, “Grace/Wastelands” war nicht die ersehnte kreative – oder gar kommerzielle! – Wiedergeburt des verlorenen Goldenboys Britanniens, aber wie die Monate so ins Land zogen, klopfte doch Song um Song deutlicher an die Jahresendcharttür, so dass wir spätestens bei den bezaubernden Solokonzerten Anfang Dezember wieder wussten, warum wir uns noch einmal so nach dem Herrn allein mit einer Akustikgitarre gesehnt hatten. Deshalb ist auch der herausragende Song des Albums der reduzierteste: “Lady Don’t Fall Backwards”, der auch wieder eine jener Textstellen bereithielt wegen der man Doherty einst verehrte – “and I will love you forever / Or at least ’til morning comes”

Höhepunkte:
* Lady Don’t Fall Backwards
* The Sweet By & By
* Der Übergang von A Little Death Around The Eyes in Salome

Charts:
D: 20 / UK: 17


9. La Roux: “La Roux” (Indiepedia)

Was für ein Popalbum! … weiter lesen

05.12.2009 von Christian Ihle
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Two Days Doherty: was bleibt nach der “Hymne”?

von Christian Ihle

Peter Doherty, Übel & Gefährlich Hamburg, Kesselhaus Berlin, Dezember 2009

So viel wurde in Dohertys Münchenauftritt und der Äußerung jener vier Worte hineininterpretiert, skandalisiert und ein Blitzkrieg im Wasserglas entfacht, dass es wohl auch nur zwangsläufig ist, dass Doherty seinen letzten Tourauftritt hierzulande mit dem Wedeln einer Deutschlandflagge beendet. Doch dazu später mehr.

Zunächst: ist man ein klein wenig vertraut mit Doherty und seinem Umfeld, so wirken die zwei am häufigsten genannten Gründe für “Deutschland Deutschland über alles” eher absurd. Dass Doherty weder eine “Nazi-Hymne” noch eine “Hymne an Hitler” gesungen hat – wie Zeitungen schrieben – hat der Kollege Erk in dem wohl bisher klügsten Artikel zu der ganzen Chose schön aufgezeigt. Dass es desweiteren eine gewisse Absurdität in der Argumentation beinhaltet, Doherty implizit vorzuwerden er sei a) Nazi oder b) wollte den Allmachtsanspruch, den Wunsch nach Weltbeherrschung der Deutschen affirmativ besingen (was ja ein Kontext wäre, der jene vier Worte tatsächlich unentschuldbar machen würde), sollte jedem bei kleinem Nachdenken klar werden.

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Dass Doherty so gesteuert wird, schön ein Skandälchen für die Tour zu produzieren, … weiter lesen

02.12.2009 von Christian Ihle
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Pete – wie es wirklich war: der Doherty und die Hymne

von Christian Ihle

„Ich bin kein Dummkopf“, erklärte Pete Doherty dem Publikum immer wieder. Doch, dachten sich die meisten Anwesenden, du bist ein Dummkopf, lieber Pete. Sonst hättest du nicht kurz zuvor die erste Strophe des Deutschlandlieds angestimmt. Während eines recht konfusen Auftritts beim durchaus großartigen on3-Festivals im Münchner Funkhaus.

Das Gerücht, dass Pete Doherty, Sänger der Babyshambles, Ex-Sänger der Libertines, Ex-Freund von Kate Moss, „Skandalrocker“ (Bild) und einer der außergewöhnlichsten Songwriter unserer Zeit, als Überraschungsgast beim on3-Festival auftreten wird, war schon am Nachmittag im Umlauf. Bis Pete Doherty im Backstagebereich ankam und Festival-Insider erste Fakten von dort nach außen trugen: „Der Doherty ist sternhagelvoll. Ob er überhaupt auftreten kann, ist völlig unklar.“ … weiter lesen

08.08.2009 von Christian Ihle
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Pete Doherty solo in Berlin

von Christian Ihle

Entgegen allen zynischen Erwartungen betritt Pete Doherty die Bühne auf die Minute pünktlich und in bester Verfassung. Dem Aussehen nach zu urteilen, gehört Heroin derzeit tatsächlich der Vergangenheit an – folgt man der alten Doherty-Faustregel: dürrer Pete = Heroin, dicker Pete = kein Heroin…

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Im in der Zwischenzeit traditionellen schwarzen Anzug mit Hut und Krawatte gekleidet, deutet schon der erste Song darauf hin, dass Doherty tatsächlich eine Setlist präsentieren wird, die wild aus seinen verschiedenen Alben spielt statt sein neues Soloalbum vorzustellen. Das von Drugbuddy Wolfman geschriebene “For Lovers” singt Doherty allein mit Akustikgitarre auf der Bühne – und dabei wird es auch den restlichen Abend über bleiben. Nur Doherty, eine Gitarre und eine Flasche Rotwein. Keine Band, keine Unterstützung, er allein auf der Bühne des riesigen Flugzeughangars. Lediglich zwei in einen alten Union Jack gewickelte Balletttänzerinnen bereiten als Bühnenfee eine Abwechslung.


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05.08.2009 von Christian Ihle
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Pete Doherty does Michael Jackson. Und die Stone Roses.

von Christian Ihle

So der Himmel will, sollte Pete Doherty dieses Wochenende in Berlin seinen ersten Solo-Auftritt in Deutschland spielen.

Einige Youtube-Videos von seinem Roskilde-Auftritt (ebenfalls solo) geben einen Vorgeschmack auf einen hoffentlich ebenso charmantes, chaotisches Konzert.

Zunächst Mr Doherty mit einem Tribute an seinen ehemaligen Bandkollegen John Hassall und einen kürzlich verstorbenen Sänger:

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…sowie nachmittags an irgendeinem Essensstand auf dem Festival mit Akustikgitarre unterwegs und die Stone Roses covernd:

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31.07.2009 von Christian Ihle
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Interview mit dem Berlin Festival: “Wir arbeiten nicht, wir wollen einfach die ganzen Bands selbst sehen!”

von Christian Ihle

Nächstes Wochenende findet – zum ersten Mal im Flughafen Tempelhof – das Berlin Festival statt. Besonders hoch anzurechnen ist den Machern des Berlin Festivals jedes Jahr aufs neue, dass sie etwas von den üblichen Headlinern der anderen deutschen Festivals abweichen und ein besonderes Faible auch gerade für britsche Helden zu haben scheinen. In diesem Jahr wird für das Popblog mit Jarvis Cocker und Pete Doherty sozusagen das Traum-Lineup diesseits von Blur aufgefahren. Grund genug mit den beiden Machern Hilary Kavanagh und Conny Opper ein Gespräch zu führen.

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Ihr geht jetzt in die 4. Auflage Berlin-Festival – letztes Jahr hat das Festival nicht stattgefunden, warum eigentlich?

Conny: 2007 sind wir in das alte Poststadion am Hauptbahnhof umgezogen, nachdem wir die ersten beiden Jahre außerhalb von Berlin noch waren – und haben gemerkt, ins Herzen von Berlin gehört auch das Berlin Festival. Letztes Jahr hatten wir einmal Probleme mit der Location von 2007 und einer unserer Partner ist ausgestiegen. Dass wir nun Tempelhof als neue Stätte und mit dem Intro und dem Melt-Festival zwei neue Partner gefunden haben, wollen wir so richtig durchstarten.

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Im 4. Jahr ist bereits der 3. Umzug zu verzeichnen. Ihr scheint lange nach dem perfekten Ort gesucht zu haben – ist der nun mit dem Flughafen Tempelhof gefunden?

Conny: Ja, das mit dem ständigen Umziehen ist eben fast so wie mit den Clubs in Berlin, die sind ja auch nicht lange an einem Punkt… Aber mit dem Flughafen Tempelhof haben wir einen Ort gefunden, zwar recht groß ist, aber unglaubliches Potential hat. … weiter lesen

24.07.2009 von Christian Ihle
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Narziss und Goldkind

von Christian Ihle

Es gibt wohl wenige Sterne am Musikhimmel, bei denen die Diskrepanz zwischen kommerziellem Erfolg und medialer Berühmtheit derart weit auseinander liegt wie bei Peter Doherty of Libertines und Babyshambles-Fame. Natürlich war die Liaison mit dem It-Girl des Modegeschäfts, Kate Moss, dafür verantwortlich, dass Doherty aus den Musik- und Spezialistengazetten hinaus den Weg in die Welt der großen Buchstaben fand, aber keinesfalls ist zu leugnen, dass sein Hang zur Selbstinszenierung und Eitelkeit ihn charismatischer erscheinen lässt als all die bleichgesichtigen Indie-Gitarristen, die ansonsten die Bühnen des Vereinigten Königreichs bevölkern.

Dass in Doherty der Drang zum sich-selbst-produzieren liegt, kann man bereits an seinen frühesten öffentlichen Äußerungen beobachten, die allesamt noch weit vor jeder Berühmheit lagen. So wurde der Teenager Doherty 1996 zufällig von MTV interviewt als er dabei war, sich für den Erwerb des damals landesweit sehnsüchtig erwarteten Oasis-Album „Be Here Now“ anzustellen. Der 17jährige Doherty kennt keinerlei Scheu vor der Kamera und schleudert dem interviewenden MTV-Reporter auf die Frage, ob er Oasis in einem Satz zusammen fassen könne, einen Satz vor die Füße, der in seiner Absurdität und Anmaßung gleichermaßen erfunden, wahnsinnig wie brillant ist – „I subscribe to the Umberto Eco view that Noel’s a poet and Liam’s a towncrier.“ – so dass der MTV-Reporter ihn nur noch fragen kann, ob er nicht gleich seinen Job möchte:

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