14.05.2013 von Christian Ihle

“Als Speerspitze des politischen Widerstands und Beispiel für eine alternative Nutzung des Ufers geriert sich dabei ausgerechnet des Großprojekt „Holzmarkt eG“. Auf 18.000 Quadratmetern wollen die ehemaligen Betreiber der Bar 25 – so viel Kapitalismuskritik muss sein – ein Restaurant, ein Hotel, ein Technologiezentrum für Start-ups und, als besondere Attraktion, ein Hüttendorf mit Bäcker, Bioladen und Sushi-Bistro eröffnen. Eine Art Einkaufspassage für Hippies und Hipster also, oder, wie es der Journalist Thomas Blum formuliert: „Berlin goes Arschlochhausen!“
Damit das Ganze schön nachhaltig, nachbarschaftlich und naturnah daherkommt, gibt es außerdem einen 24-Stunden-Kindergarten, in dem die Kleinsten versorgt sind, während sich die Eltern das Hirn wegkoksen, und den sogenannten Möhrchenpark, in dem die Druffies ihrer Gartenzwergsehnsucht frönen können.
(…)
Wie frei der Zugang zu diesem kleingeistigen Größenwahn tatsächlich ist, wird sich allerdings zeigen müssen. Schließlich wurde auch schon bei der Bar 25 dafür Sorge getragen, dass nur… weiter lesen
11.04.2013 von Christian Ihle
“Die Musik, wie jedermann weiß, ist die Achillesferse Englands. Wenn man sich vergegenwärtigt, welche musikalischen Unbilden das englische Ohr sich von früh bis spät gefallen läßt, so könnte man in der Tat geneigt werden, dem Engländer jeden Sinn für Wohlklang abzusprechen und auf die Seite Johanna Wagners oder besser ihres Vaters zu treten, der mit mehr Wahrheit als Klugheit die ihm nicht verziehenen Worte sprach, »daß hier viel Gold, aber wenig Ruhm zu holen sei«. Man wolle indes aus dem Umstand, daß England des musikalischen Gehörs entbehrt, nicht voreilig schließen, es entbehre auch der musikalischen Lust; gegenteils, die alte Wahrheit bewährt sich wieder, daß der Mensch am liebsten das treibt, was ihm die Götter am kärgsten gereicht.”
(Theodor Fontane in Ein Sommer in London, Kapitel 6)
Mit herzlichem Dank an Philip!
Schmähkritik-Archiv:
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25.03.2013 von Christian Ihle
Während man sich im Feuilleton von FAZ und Spiegel hinsichtlich des ZDF-Dreiteilers “Unsere Mütter, unsere Väter” mit eher etwas überraschenden Lobpreisungen gegenseitig zu übertreffen trachtet, ruft die Zweitweltkriegs-Miniserie andernorts auch viel Kritik hervor:

“Manche Dinge, die einem vorgesetzt werden, sind ja so evident dumm und rundum nicht satisfaktionsfähig, dass man die Schulter zuckt und sich lieber mit dem nächsten Schönen, Wahren und Guten oder doch wenigstens dem auf interessante Weise Verfehlten befasst. Genauer gesagt sind sehr viele Dinge so, quasi die meisten. Was das ZDF grade mal wieder in seinem History-Wahn präsentiert, eine dreiteilige Serie namens “Unsere Mütter, unsere Väter” ist von der Sorte. Eine Nazi-Oper, die ein bisschen schuldbewusst tut, indem sie fünf junge Deutsche Richtung Ostfront befördert und dort zusehends weniger edel und aufrecht und hilfreich sein lässt – die in Wahrheit aber nur mal wieder die… weiter lesen
22.03.2013 von Christian Ihle
“Die eigentliche Echo-Verleihung, eine der größten europäischen Pop-Award-Galas, die über dreistündige Veranstaltung, die vor der Aftershow kommt – sie fühlt sich rückblickend oft an wie ein besonders unangenehmer Zahnarzttermin. Die Feier hinterher, im Palais am Berliner Funkturm, ist nur deshalb so ausgelassen, weil alle so wahnsinnig froh sind, dass sie es für dieses Jahr wieder hinter sich haben.
Beim Echo kommen all die Figuren zur großen Show zusammen, die man entweder noch nie leiden konnte oder schon beim ersten Anblick nicht erträgt. Denen man schon gar keinen Preis gönnen würde. Spätestens dann erklärt einem irgendwer, dass der Echo ja ein Award der Musikindustrie ist, bei dem es nur auf Umsatzzahlen ankommt und nicht auf künstlerische Qualität. Anschließend besaufen sich die Teilnehmer und ihre rund 3000 Gäste, die Zuschauer regen sich noch ein bisschen auf. Und am nächsten Tag ist alles vergessen.
(…)
Wenn man es nicht besser wüsste,… weiter lesen
13.03.2013 von Christian Ihle
“There are no characters left in the music business. When we first started going there was a healthy percentage of people, and we were all dirt-kickers from council estates, and we all couldn’t believe our luck that we were at the Brits. You go in now and everybody is a careerist.
I saw the drummer from Muse smoking an electronic cigarette. A cigarette with a battery in. I had to say to him: ‘Really? Really? Is that where you are at? Do me a favour mate, either have a proper one outside, or don’t have one.’ It lit up green when he had a drag of it. Nonsense. He said that immortal line – ‘Oh you know how it is mate’. And I said ‘I’m sorry mate, I actually don’t.’
There was nothing going on at the Brits, there was nothing going on at the aftershow parties. There seemed… weiter lesen
30.01.2013 von Christian Ihle
“Lehrreich hätte Helmut Bergers Charmeschule für Daniel Hartwich, den neuen Moderator an Sonja Zietlows Seite, sein sollen. Stattdessen redete er wie ein austauschbarer Witze-Automat. (…) Die kindliche Freude an den neuen Möglichkeiten, mit seinem Körper, gerade mit seinem Gesicht, umzugehen, war ihm anzumerken. Wenn er das Schauspiel noch eine Stufe weiterdreht, könnte er der erste Fernsehmann sein, der das Dschungelcamp von beiden Seiten kennenlernt.”
(Stefan Schulz in der FAZ)
Schmähkritik-Archiv:
* 500 Folgen Schmähkritik – Das Archiv (1): Musiker, Bands und Literaten
* 500 Folgen Schmähkritik – Das Archiv (2): Sport, Kunst, Film und Fernsehen
28.01.2013 von Christian Ihle
Movie 43, der neue Film von “Verrückt nach Mary”-Regisseur Peter Farrelly hat nicht nur eine unfassbar große Zahl an Stars und Charakterdarstellern aufzuweisen, sondern auch die schlechtesten Kritiken diesseits von Adam Sandler.
Ein kleines Best Of:
“As the ads for “Movie 43″ promised (threatened?), you can’t un-see this thing, so please: Stay away. Even if you might think that sitting through “Movie 43″ would be an adventure along the lines of experiencing “Showgirls” or “Howard the Duck,” you’ll be filled with regret five minutes into this atrocity. There’s camp-fun bad and interestingly horrible bad, and then there’s just awful. “Movie 43″ is the “Citizen Kane” of awful.
(…) whenever a Gerard Butler or a Johnny Knoxville or a Jason Sudeikis or an Uma Thurman became available and/or were blackmailed, Farrelly would bring in a director, and they’d shoot a scene. Unfortunately, the shooting was never fatal. Farrelly was going for
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21.01.2013 von Christian Ihle
“Ich hab Amerika verlassen, um es los zu werden, und Berlin war eine Zeit lang besonders. Heute sind da zu viele Künstler, zu viele Leute mit Karotten-Jeans, Idioten.”
(Iggy Pop im Interview mit “Sounds”, Juli 1980)
12.01.2013 von Christian Ihle
Es war lange ruhig an der Gallagher-Kriegsfront, wird also mal wieder Zeit, dass sich da was dreht:
“Fuck Oasis as far as I’m concerned and fuck Noel Gallagher. The thought of going onstage with that fucking idiot and hanging out with his daft mates, the pretend drug addicts and all his snobs from Sloane Street. Fuck that, not interested, mate.”
(Liam Gallagher in einem Interview mit dem Q Magazine)
Schmähkritik-Archiv:
* 500 Folgen Schmähkritik – Das Archiv (1): Musiker, Bands und Literaten
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07.01.2013 von Christian Ihle
Suhrkamp: Seit ein Gericht dem Investor Bärlach in einem Streit um die Nutzung einer Villa in Berlin Recht gegeben hat, ist das Feuilleton mit fast nichts anderem mehr beschäftigt als der Geschichte “Geschäftsführerin und Haupteignerin Ulla Unseld-Berkéwicz vs. Minderheitsgesellschafter Hans Barlach”.
In der Suhrkamp-Kausa oder -Posse gab es nun eine ganze Reihe gegenseitiger Schmähungen, insbesondere die Autorenriege des Suhrkamp-Verlags hat Kanonen mitgebracht, um auf Heuschrecken zu schießen. Ein kleines Best Of:
Rainald Goetz:
“Es gibt nur schlimme Geschichten über ihn, und wenn man ihn sieht, glaubt man sie alle. Die blaue Blumenhändler-Rolex, das schütter gewellte, mittelbraun getönte Haar, die dicke, glasig gespannte Sonnenstudiohaut im Gesicht. Ich habe ihn in einer Prozesspause angesprochen, was er seine Anwälte da für einen wahrheitswidrigen Unsinn erzählen lässt. Da reagiert er wie ein stumpfer Automat, redet sofort von seinen Rechten, die er ja nur in Anspruch nimmt. Er ist auch
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